Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 11. Februar 1925 (Berlin, Postkarte)


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11.II.25 M. L! Gern würde ich Dir mal wieder einen ordentl. Brief schreiben. Aber im Moment geht es noch nicht; ich habe eine konkrete Anfrage. Eine m. tüchtigsten Schülerinnen, Frl. Knoche, sehr sympathisches Wesen, seit Staatsexamen überarbeitet, soll von Hause fort u. in warme Gebirgsgegend. Ich dachte an Umgegend v. Heidelberg. Erwünscht: Pension 3,50, höchstens 4 M, Sonne, Liegegelegenheit, aber auch Gelegenheit zu einiger nicht gerade bindender Beschäftigung, und ein wenig Anschluß. Ich habe auch an Stetten gedacht; aber es ist dort wohl zu rauh u. die Gegend zu ernst. Gibt es so etwas bei Heidelberg, z.B. Siebenmühlenthal, Neckargemünd etc.? Es wird nicht leicht sein.
Der Frühling hier ist unbeschreiblich schön. Ich bin in Rückstand mit der Arbeit gekommen, weil einige Tage die Nerven versagten. Ich hatte 3 Wochen keinen Spaziergang gemacht. 2 blaue Tage, an deren Schluß ich Carl Ruge wohlaussehend in der Untergrund traf, haben mich
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| einigermaßen repariert. Vor 8 Tagen war bei mir große Gesellschaft: Lenz u. Frau, nach dem Abendbrot auch Franke mit Frau u. Schwägerin. Sonnabend war der Jugendrichter hier. Tagesschluß meist erst um 1. 5 Diss. in 14 Tagen. Zahnbeschwerden. Jeden Tag 3 Einladungen nach auswärts. - Ich danke für das Packetchen, dessen Inhalt ich noch nicht festgestellt habe. Hoffentlich erholst Du Dich täglich mehr. Ev. etwas Stärkendes nehmen. Herzlichste Grüße Dein
Eduard.