Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 20. Mai 1925 (Wilmersdorf)


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20.V.25.
Mein innig Geliebtes!
Ich wollte Dir nur die Mitteilung machen, die Dich aber nicht zu beunruhigen braucht, daß ich Patient bin. Ein Schnupfen, der heut gerade 14 Tage alt ist und wohl in Tegernsee wurzelt, hat sich rechts zu einer Kieferhöhlensache erweitert. Am Freitag begann es mit rätselhaften Schmerzen unter dem Auge. Bis Montag Abend habe ich allen Dienst getan. Gestern kam Kurzrock und verordnete heiße Umschläge. Diese sind, nachdem die unglaubliche Beschränkheit und Widersetzlichkeit von Frl. Wingeleit mühsam überwunden worden ist, seit Susannes geschicktem Eingreifen gut im Gange, haben aber bis jetzt noch kein sehr merkliches Resultat gezeitigt. Fieber gering, allgemein Befinden im ganzen gut, nur ist die ganze rechte Kopfseite schmerzhaft u. benommen. Wenn die Sache glatt weitergeht, werde ich keine häufigeren Nachrichten senden. Dies bitte zu beachten.
Nachdem ein Brief aus NB mit Steuerhinterziehungsplänen u. Klagen über Finanzamt mich
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| noch recht geärgert hatte, kommt heut endlich einer in der alten Tonart u. beweist, daß mein Widerstand doch ganz günstig gewirkt hat. Zugleich dringende warme Einladungen.
Für heut nur noch herzliche Grüße an den Onkel und viele gute Wünsche für Euer Zusammensein, daß durch die Nachricht von meiner kleinen Schlappe nicht getrübt werden soll. Ich schrieb nur, damit nicht H Dir mitteilt, Spr. habe das Kolleg ausfallen lassen.
Innigst Dein
Eduard.