Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 25. Juni 1925 (Berlin, Postkarte)


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<Briefkopf der Preußischen Akademie der Wissenschaften>
Berlin, den 25.6.1925.
M. L! Seit Tagen, ja seit Wochen ist es nunmöglich, eine freie Stunde zu einem Brief zu gewinnen. Du entnimmst daraus, wie ich existiere. Ich will nun wenigstens diesen Kartengruß senden, da es in den nächsten Tagen nur noch schlimmer wird: Von Deiner im Stile des delphischen Orakels gegebenen Meinungsäußerung: (der Brief könnte besser nicht geschrieben werden) habe ich durch Betonung des "nicht" für mich den Sinn herausgelesen. Und so war es (zunächst) richtig. Denn am Sonnabend war in Kl. eitel Sonnenschein. Es war ganz wie früher, u. demgemäß sehr schön. Am Sonnabend will Frau R. zu mir kommen auf 1 Stunde. Ob sie es ausführen kann, ist ja noch fraglich. Aber ich richte mich darauf ein. - Am 2.VII. habe ich bei der obengenannten Firma in öfftl. Sitzung die kurze Antrittsrede zu halten.
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Wie geht es Dir gesundheitlich? Ich hoffe darüber übermorgen zu hören. Ich bin physisch im Gange, psychisch völlig ausgepumpt. Nichts als Dissertationen, Prüfungen u. alles minderwertig. Außerdem (d. h. neben 12 Prüfungen in der Woche) 12 Stunden Vorlesungen u. Übungen, eine glatt fünfstündige Senatssitzung etc. Ich erwähne dies, um Deine Nachsicht anzuflehen u. bin im übrigen, wie Du weißt, der <li. Rand> gleiche, sofern ich mit mir überhaupt noch zusammenkomme. Hzl. Gr.
Dein Eduard.

[Kopf S. 1] Vielen Dank für die Heidelberger Berichte. - Die neue Studiengemeinschaft kommt allmählich in Gang. Susanne reist am 6.VII nach Partenkirchen.