Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 21. Juli 1925 (Berlin-Wilmersdorf, Postkarte)


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<Poststempel: 21.7.25>
M. L! Es tut mir leid, daß Du Dir unnötige Gedanken machst. Der Gruß auf dem Abschnitt ist rein zufällig unterblieben. Ich bin abgehetzt bis zum tz und muß jetzt alles allein machen. Hierfür darf ich wohl Verständnis erbitten und erhoffen. Verstimmt bin ich nur, und zwar heftig, solange es nicht ausgesprochen: über die Erledigung der Korrekturen. Hier gab es 2 Wege: Sich nicht bereit erklären oder mit absoluter Zuverlässigkeit erledigen. Jeder Bogen ist so, wie die gesandte Probe. Hier war nun einmal Gelegenheit, mir etwas abzunehmen. Das Ganze verzögert sich um 2 Monate, weil ich alles selbst noch einmal durchsehen mußte, neben den 3 x 28 Bogen Korrekturen für die Lebensformen. Man muß doch wohl bedenken, daß die Kräfte eines Menschen ihre Grenze haben. Für die neue Aufl. d. Jps. habe ich mir nun einen Studenten genommen, den ich honoriere. - Hermann war am letzten Mittwoch
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| 6 Uhr hier; wir gingen in den Grunewald u. blieben bis 10 zusammen. Die Jungen haben mir sehr gut gefallen. H. selbst ist ganz weiß geworden. - Ich habe für die Akademie u. das Ausw. Amt einen Auftrag v. internationaler Wichtigkeit übernehmen müssen. Das pumpt meine letzten Kräfte aus. Ich kann vor dem Semesterschluß nicht mehr schreiben. Heut sind schon 17 eigenhändige Briefe hinausgegangen. M. Sekretärin ist auch so eine süddeutsche Nummer. (95° -). Also mach Dir keine Sorgen u. sei herzlichst gegrüßt v. Deinem Ed.