Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 2. August 1925 (Wilmersdorf)


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Wilmersdorf, den 2. August 1925.
Mein innig Geliebtes!
Meine Reisepläne beginnen sich endlich zu klären. Ich habe im Waldhotel Kirnach-Villingen angefragt, und es ist dort etwas frei. Allerdings ist es mir ein bißchen teuer (11-12 M.), aber ich möchte auch nicht wieder in eine solche Bude, wie voriges Jahr.
Zweifelhaft ist, ob ich schon am Sonntag reisen kann, vielleicht erst am Montag. Auf der Hinfahrt muß ich eine Nacht in Darmstadt bleiben, um - Goethe zu besuchen, wie ich versprochen habe. Er ist dort Pfarrer. Also käme ich, nach dem alten Kursbuch, am Montag (bzw. Dienstag) um 5.23 in Heidelberg an und bitte Euch um ein Nachtquartier, falls es sich einrichten läßt. Seltenleer genügt durchaus. Denn am nächsten Morgen um 8.51 muß ich weiter. Es wird Dir recht sein, wenn ich erst einmal eine Woche etwa allein bleibe, um mich von den ungewöhnlichen Anstrengungen der letzten Zeit zu erholen, den Ort zu erkunden und zugleich Dringendes, das ich mitnehme, zu arbeiten.
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| Später werde ich Dich bitten, nachzukommen. Auch plane ich einen Aufenthalt von ein paar Tagen auf dem Heuberg, je nach Wetter u. Befinden. Für den 4.-14.IX bin ich in Partenkirchen gemeldet.
Weiter kann und will ich heut nichts schreiben. Denn wir haben ja am Montag oder Dienstag für das Nötigste ein paar Stunden, und später mehr. Auch ist hier noch immens zu tun. Du erhältst also noch eine Karte über den Tag meiner Ankunft.
Ich hoffe, daß es Dir gesundheitlich gut geht. Dein reumütiges Bekenntnis (eben wird GR. Kühne an m. Tür rausgeschmissen) hat meinen Zorn besänftigt. Demgemäß werden sich auch die Formen tätlicher Vergeltung in bescheidenen Grenzen halten. Jedenfalls freue ich mich "trotzdem" unendlich, Dich wiederzusehen, und bin mit herzlichen Grüßen, auch an den Vorstand
Dein riesiges Arbeitstier
Eduard.