Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 18. August 1925 (Villingen)


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Villingen, den 18. August 25.
Mein innig Geliebtes!
Ehe ich Dir Reisevorschläge machte, wollte ich eigentlich noch nach Königsfeld. Ich bin aber heut durch Gewitterneigung, Verdauungsstörung und Faulheit daran gehindert worden. So sehr viel liegt ja auch daran nicht.
So viel steht ganz fest, daß das hier für uns beide nichts ist. Die Natur und schließlich auch das gut geleitete Haus würden schon passen; nicht aber die Gesellschaft und der Stil des Hauses, dem man doch z. B. bei Regenwetter ziemlich unterworfen ist. Näheres hierüber mündlich.
Wenn wir nun nach dem Heuberg gingen, so würde für uns beide wieder kein ruhiges Zusammensein herauskommen. Denn ich würde mich dort einer Kindergruppe anschließen, und das "Hôtel" wäre vermutlich wieder allzu primitiv. Deshalb stelle ich nach längerem Überlegen folgende Vorschläge zur Wahl: 1) Freudenstadt, 2) Hinterzarten 3) Bad Schachen am Bodensee.
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In Freudenstadt würden wir vermutlich privat wohnen und uns den Tag nach Belieben einrichten. Wir könnten - nach wiederum 9 Jahren - unsere Wege repetieren und würden gewiß daran genug haben. Bedenklich wäre nur etwa eintretende Kälte. Darauf mußt Du Dich jedenfalls einrichten. Wird das Wetter sehr schlecht, so wäre Nr. 3 vorzuziehen. Hoffentlich ist die schwarzrotgoldene Färbung, die F. in den letzten Jahren angenommen hat, nicht mehr so dick. Es ist ja dann - ich denke an Dienstag, den 25.8., schon Ende der Saison. (Treffpunkt in diesem Falle Hausach.)
Wo man und ob man in Hinterzarten Wohnung findet, weiß ich nicht. Unangenehm könnten die Nebel sein. Wir kennen dort manches noch nicht; auch würde ich das Gutachtal gern noch einmal mit mehr Verstand sehen.
Von Bad Schachen weiß ich nicht viel mehr, als das es am Bodensee liegt. Die andern Orte sind notorisch ungeeignet. Den Heiligenberg sähe ich wohl gern; aber ich habe festgestellt, daß man von dort selbst nicht in einer Tagestour an den See könnte.
Nun entscheide Du. Ich bin hier recht fleißig gewesen, wenig allerdings im Marschieren.
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| Nur Sonntag war ich 5 Stunden auf den Beinen, 2 Stunden davon durch dichten Wald, ohne einen Menschen zu treffen, was nicht immer angenehm ist. Von dieser Gewalttour bin ich noch etwas müde. Die nächste Umgebung mit zahlreichen Bänken ist für ein lesendes Dasein sehr angenehm. Ich möchte noch bemerken, daß die beiden andern Waldhotels eingegangen sind und daß in Villingen selbst, abgesehen von seiner reizlosen Lage, nichts in Betracht kommt.
Vielen Dank für den Gruß vom Dilsberg. Wie war es mit Trude Döllken? Ich schreibe heut nicht weiter, da wir uns ja bald sehen, wenn es auch leider diesmal nicht mehr als 10 Tage sein können. Viele innige Grüße - Gruß auch an den Vorstand -
Dein
Eduard.

Ich schreibe noch um ¾ 8 auf dem Balkon.