Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 5. Oktober 1925 (Deinstedt)


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Mein innig Geliebtes!
Wiederum kann ich Dir nur schreiben, warum Du keinen Brief erhältst, obwohl ich gestern durch Deine lieben Zeilen hier empfangen u. erfreut wurde. Vom Fröbeltage, der mir aber gefallen hat, mit Frl. Pappenheim hier halbtot angekommen, ging die Arbeit gleich gestern Abend los. Deinstedt - 279 Einwohner, ca. 15 Häuser, ½ Stunde v. Bahn u. Landstraße, kein Wirtshaus, kein Laden. Man hockt aufeinander. Tietjen u. Frau ernste, ideal wollende Leute, die man bewundern muß. Teilnehmerschaft überwiegend ungeeignet; nicht ohne Eifer. Aber wer hält das aus - 7 Stunden dozieren u. debattieren, dann Privatgespräche. Unbequemlichkeit in den engen Häusern. Vor allem hirscht es bedenklich. Ich bin dafür, zumal im Herbst, nicht widerstandsfähig genug. Schreiben ist hier wegen Zeit u. Gelegenheit besonders schwer. Deshalb habe Nachsicht u. zweifle nicht, daß ich täglich an Dich mit guten, treuen Gedanken denke.
Dein Eduard.

Deinstedt, bis 9.X früh.