Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 5. November 1925 (Wilmersdorf)


[1]
|
Wilmersdorf, den 5.XI.25.
Mein innig Geliebtes!
Ich danke Dir für Deinen Brief, auch wenn ich manches darin nicht als zusammenhängend verstehen kann - weil es aus Deiner erprobten Liebe kommt.
Ich habe an Susanne geschrieben, wie ich mußte. Aber ich bitte Dich, ihr Deinerseits nicht zu schreiben, weil das, was Du da vorhast, eine psychologische Unmöglichkeit ist.
Von Deiner Seite und Deiner Art aus gesehen, kann vieles nicht zur Erscheinung kommen, was in der Welt ist. Die Art des Mannes ist eben anders als die der Frau. Es wäre ganz falsch, wenn Du glaubtest, Susanne habe etwas in mich hineingebracht, was immer da war und von der Natur, mit der Natur gegeben ist. Ich habe mich darüber oft genug erklärt.
Man soll die Dinge nicht einfacher nehmen, als sie sind. Die große Tragik eines Lebens, das nicht besser und nicht schlechter ist als Gretchen, verdient Schonung und Verstehen. Es wird trotz
[2]
| dem geschehen, was um ihretwillen und meinetwillen geschehen muß. Aber es glaube doch niemand, daß in diesem Falle irgendwer Schuld hat, als das Leben, wie es nun einmal ist. Oder daß da, wo geschnitten wird, kein Blut fließt.
Innigst
Dein
Eduard.