Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 11. Dezember 1925 (Berlin-Wilmersdorf)


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<Stempel: Professor Spranger
Berlin-Wilmersdorf
Hohenzollerndamm 39>

11.12.25.
Mein innig Geliebtes!
Es ist ganz ausgeschlossen, daß ich Dir aus diesem Trubel einen Brief schreiben könnte. Nur über das Nötigste müssen wir uns verständigen. Wenn ich meine Rede vorbereiten will, kann ich zu Weihnachten nicht hierbleiben. Die Frage ist also, ob Du mich aufnehmen könntest und - das stelle bitte fest, ob die Heidelberger Bibliothek zwischen Weihnachten u. Neujahr überhaupt geöffnet ist. In diesem Falle würde ich am 3. Feiertag Abends hier abfahren und bis 4.I. früh bleiben, jedoch in dieser Zeit sehr fleißig sein müssen. Nun hattest Du die Absicht, nach Cassel zu fahren. Sage mir ganz offen, ob Dir mein Plan trotzdem paßt. Ich könnte ja auch ein paar Tage allein in H. hausen, nötigenfalls in einer Pension oder im Europäischen Hof.
Auf das zwischen uns verhandelte Thema kann ich heut nicht eingehen. Nur so viel, daß ich einsehe: was ich da getan habe, war nicht richtig. Ich fange auch an, etwas hinter die Kulissen zu sehen. Zu m. Überraschung bin ich am
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| Sonnabend zu Frau Troeltsch geladen, wo außer H. Maier auch Dutzi Schrader sein wird.
Wie geht es mit dem Hexenschuß? Und wie geht es der armen Paula Seitz?
Ich bitte um Mitteilung, was ich Dir zu Weihnachten schenken kann.
Vor 10 Tagen habe ich mir mal wieder einen Zahn ziehen lassen, der mir viel Plage gemacht hat. Nun muß das Obergebiß geändert werden.
Heut Abend ist Studiengemeinschaft, die sich nicht nach Wunsch entwickelt. Becker wackelt sehr. Er wird so gehetzt, daß er mir leid tat, als ich ihn vorgestern sah.
Die Tage sind furchtbar anstrengend; mit den Privatsachen komme ich auch nicht einen Schritt weiter. Oft bleibe ich den ganzen Tag in der Stadt.
Sei innigst gegrüßt von Deinem
Eduard.