Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 27. Januar 1925 (Heidelberg)


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Heidelberg. 27. Januar 1925.
Mein liebstes Herz,
damit Du nicht etwa auf eine Nachricht von mir wartest in der irrigen Meinung, ich sei noch krank, will ich Dir rasch wenigstens einen "sogenannten" Brief schicken.
All Deine lieben Fragen kann ich in der Eile ja nicht beantworten, bin zum Teil noch nicht einmal darüber entschieden, aber das will ich Dir doch wenigstens gleich sagen, daß ich jetzt einen Erholungsurlaub nicht brauche. Ich erhole mich sichtlich von Tag zu Tag u. habe gestern die Arbeit wieder aufgenommen mit weniger Ermüdung als vor der Krankheit. Denn eine richtige "Krankheit" wars in der Tat, u. sie hat wohl schon länger in mir gesteckt, als ich wußte. Aber jetzt ist, denke ich, alle Bosheit herausgekommen u. ich werde nun wieder regelmäßig arbeiten u. dabei mit der nötigen Vernunft maßhalten.
Mein bestes Heilmittel aber war Dein lieber Brief u. die freudige Aussicht, die er mir entwickelt. Das Nähere zu entscheiden, bleibt ja noch Zeit. Vorerst möchte ich Dir nur das versichern, daß die Eindrücke einer solchen Reise mir in meiner gegenwärtigen Verfassung erholender scheinen, als irgend ein ländlicher Aufenthalt. Ich habe tatsächlich in letzter Zeit einen wahren Hunger nach geistiger Anregung gehabt, wie sie mir eben in der Einförmigkeit meines inhaltarmen Daseins fehlt. - Man braucht ja oft dazu nicht garso viel! Irgend etwas, was eine neue Bewegung
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| auslöst; was Anstrengung fordert - -
Habe Du innigen Dank für Dein Anerbieten mit Partenkirchen! Aber Gott sei Dank ists nicht nötig.
Augenblicklich ist beinah Aenne erholungsbedürftiger als ich. Sie leidet öfter an Schwächeanfällen, die sie recht mitnehmen. -
Hoffentlich ist Deine Zahnreparatur erfolgreich u. nicht etwa nur eine Goldgrube für Herrn Lubowski. Ich bin skeptisch geworden gegen das Erhalten à tout prix, bei diesen wurzelkranken Zähnen.
Für heut gute Nacht, mein Lieb.
- Und verzeih, wenn ich nochmals - veranlaßt durch Deinen Stoßseufzer - auf die Idee mit Liselotte Bürde zurückkomme. Meinst Du nicht, daß sich ein intelligenter Mensch, der das Bürotechnische beherrscht, sich auf das Specialgebiet einarbeiten würde? Sie ist klug, ein zuverlässiger Charakter, würde Dir gewiß nicht lästig fallen. Aenne meint, sie hätte sicher Verwandte oder Freunde in Berlin, bei denen sie billig Unterkommen fände, sodaß sie mit wenig Gehalt auskäme. Wie hoch taxierst Du denn Tätigkeit u. Entlohnung? Sie hätte vielleicht noch eine Nebenarbeit dabei, sodaß Du sie nur stundenweis beschäftigst?
Aber nimm es nicht als Drängelei von mir, wenn es Dir nicht einleuchtet. Es würde mich nur freuen, wenn ich Euch beiden helfen könnte!!
Also ade, ade!
In treuer Liebe
Deine
Käthe.

(Aenne hat am 2.II. Geburtstag)