Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 29. Januar 1925 (Heidelberg, Postkarte)


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H. 29.I.25.
M. l. H. Nur einen Sonntagsgruß, um Dir zu sagen, daß ich wieder regelmäßig Dienst tue u. mich gesund melde. Es ist nur noch ein großes Luftbedürfnis zurückgeblieben, sodaß ich sowohl Aenne wie Adele mit Vorliebe spazieren jage. Das Wetter ist trübe, aber es erfrischt doch. Mache doch nur mal, daß der Himmel für mein Zeichnen heller wird. manchmal kann man fast nicht sehen!
Morgen, Sonnabend kommt Joh. W. aus Frankfurt u. bleibt bis Sonntag, darauf freue ich mich. Da werde ich auch hören, ob die Differenzen mit Frl. Schw. beigelegt sind. Kinder-(garten)-krankfeiern.
- Die Lebenserinnerungen von Kügelgen habe ich nun fertig u. lege das Buch mit Bedauern fort. Welch liebenswürdige, feine, hochkultivierte Natur! Jetzt hat mir der Zufall (d. h. Prof. Gans)! die Biographie von Christiane Vulpius ins Haus geweht. Es ist wohl nicht ohne Berechtigung, daß man heutzutage bestrebt ist, das Bild dieser verlästerten
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| Frau zu rehabilitieren. -
Eine Freude hatte ich dieser Tage, die hoffentlich von längerer Dauer sein wird. Ein junges Mädchen von angenehmem Wesen, Contoristin, wünscht wöchentlich einmal bei mir Zeichenstunde zu haben. Sie kommt Mittwoch abend zum erstenmal! Natürlich ist mirs mehr um die Sache als um den Verdienst, da sie ja selbst ihr Geld erst verdienen muß. -
Für heute nur noch innige Wünsche für Dein Wohlergehen u. viel treue Grüße.
In stetem Gedenken D. K.