Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 9. Februar 1925 (Heidelberg)


[1]
|
.
Heidelberg. 9. Februar 1925.
Mein Goldener!
Du wirst gewiß auch von andern Leuten wissen, wie schlapp einen die Grippe macht u. verstehst daher meine lange Schweigsamkeit. Wie schön, daß dazwischen der Geburtstag von Aenne kam, der mir doch eine indirekte Nachricht brachte. Inzwischen hatte ich mein ganzes Restchen von Energie an die Zeichnerei gewendet u. wenn es helle Tage sind, geht die Arbeit auch ganz erfeulich vorwärts. Nur die Dunkelheit strengt so an u. lähmt die Lust.
Wie viel lieber möchte ich von Dir hören, anstatt über mich zu berichten! Was mag sich ereignet haben, daß Frau Riehl in ein Sanatorium gehen mußte? Kann sie zu Haus nicht genügend Pflege haben? Oder waren andre Eindrücke erwünscht? - Wie furchtbar ist das Geschick der Familie Wechsler. Nach dem Bericht in der Zeitung ist die Art des Unglücks nicht zu begreifen. -
Unser Besuch von Johanna Wezel verlief sehr freundschaftlich, aber zu meinem Erstaunen kriselte es wieder mehr, als ich erwartet hatte. Sie wünscht nicht, daß ich Dir darüber schreiben soll u. das ist wohl auch besser. Inzwischen habe ich es übernommen, ihr ein wenig in Deinem Sinne zuzureden. Vielleicht hilft es!
Vor einigen Tagen war der Vertreter von Springer hier, der Leiter der Buchabteilung: Fischer. Er hatte allerlei Wünsche inbetreff der Abbildungen, die durch die Schwierigkeit der Reproduktion ganz ungemessen teuer werden. Es würde aber den Wert der Sache überhaupt in Frage stellen, wenn jetzt die Qualität der Bilder zerstört würde durch Uniformierung. Prof. Gans ist entschieden dagegen, aber der Verlag fürchtet, daß das Buch nicht verkäuflich wird bei der Höhe des Preises. - Mir war diese Begegnung ganz angenehm, denn ich habe zum erstenmal persönliche Fühlung mit dem Mann gewonnen, während er bei meinem Besuch in Berlin zerstreut u. nicht orientiert schien. Auch eine kleine "Tariferhöhung" scheint für mich dabei abfallen zu sollen. - So bin ich froh, daß ich noch nicht
[2]
| die Berechnung seit Dezember einschickte, weil ich erst wieder etwas Nennenswertes abliefern wollte u. durch die viele Unterbrechung war doch das Resultat nicht groß. - Du wirst es verstehen, mein Lieb, wie dankbar ich da für Deine treue Hülfe war, aber wie es mir doch schmerzlich ist, noch immer nicht ausreichend zu verdienen, u. nicht, wie Du es wünschtest, das Geld zurücklegen zu können.
- Heute ist der Vorstand in Ludwigshafen u. ich habe behaglich Zeit, Schulden abzutragen! Um die Jahreswende ist mir eine solche Fülle von brieflichen Grüßen ins Haus gekommen, daß Du beinah neidisch werden könntest. Bisher aber war es in meinem Kopf so öde, daß ich kaum etwas beantwortet habe.
- Gestern kam nach langer Zeit auch mal wieder ein Lebenszeichen von Felizitas. Sie freut sich auf die Haushaltungsschule, die vom 6. März an ½ Jahr dauern soll. Aber zur Sommersaison denkt sie wieder zu Haus zu sein. Wie kann das gehn? -
Über Deine Reisepläne denke ich oft nach u. erbaue mich daran. Hast Du wohl eine besondere Vorliebe dabei? Ich denke, es ist besser erst kurz vorher zu entscheiden, je nach Wetter u. Befinden.
- Worüber sind denn nur immer diese end- u. zwecklosen Sitzungen? Ist Deine Zahnbehandlung fertig u. ist es damit nach Wunsch gegangen?
Ich werde jetzt mal wieder Kalk nehmen, das schien mir das letztemal recht nützlich.
Rösel Hecht hat viel Sorgen, auch um die kranke Schwester. Wenn man doch helfen könnte! - Hier regt sich alles auf um das Canalprojekt; vermutlich zu spät, denn von Mannheim bis hier soll es ja schon ausgeführt sein. Und der Nutzen käme vor allem Württemberg zugute. - Ich habe vom 14. Nov. - 22. Jan. 12 Ctr. Koks verbrannt. Ist das viel? Während meiner Krankheit hat Liesel wohl etwas sehr geheizt! -
Nimm Vorlieb mit diesem kurzen Bericht. Er soll doch nun endlich einmal fort. Sei gegrüßt u. geliebt von
Deiner
Käthe.

[li. Rand] Ich habe meine Papiere wieder zur Bank gegeben. Nach dem jetzigen Kursstand besitze ich noch 996 M!!