Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 23. Februar 1925 (Heidelberg)


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Heidelberg. 23. Februar 25
Mein liebstes Herz.
Habe tausend Dank für Deinen lieben Brief, der mich innig erfreute, wenn ich auch um Deinetwillen gewünscht hätte, Du hättest statt dessen Ruhe gehabt. Ganz erschüttert bin ich von dem, was Du über Neubabelsberg schreibst, wenn ich mir auch eine klare Vorstellung danach nicht machen kann. Es klingt geradezu unfaßlich.
Nun sind es ja nur noch 1 ½ Wochen bis zum Semesterschluß u. wenn dann auch die Arbeit nicht abreißt, so doch die ewige Hetzjagd von einem zum andern. Wie ich mich auf unser Zusammensein freue, kann ich Dir nicht sagen. Du weißt ja, das ist die Sonnenseite meines Lebens.
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Zuächst werden wir vermutlich mal Lieschen Schwidtal zur Erholung hierher bekommen, die sich mit dem gleichen Ansinnen an mich wendete, wie Du wegen Frl. Knoche. Derentwegen waren wir nun am Samstag in Neckargemünd, aber ziemlich vergeblich. Die eine Pension liegt so nahe am Wald, daß sie jetzt im Frühjahr zu feucht ist! Die andre ist vor dem oberen Tor, am Anfang des Wiesentals, in dem das Kinderheim liegt, gleich rechts oberhalb der Straße. Es ist hübsch u. soll gut geleitet sein, aber die Inhaberin ist verreist, u. ich konnte weder Zimmer sehen noch Preise erfahren. Heute früh erwartete ich eine Karte mit der Adresse von Frl. Schneider, damit Frl. Knoche bei ihr anfragen könne, sie kam aber nicht.
- So will ich diesen Zettel vorher abschicken u. ihm viel innige Grüße für
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| Dich mitgeben. Wenn Du doch eine passende Sekretärin fändest! Liselotte ist jetzt im Landratsamt Groß-Strehlitz untergekommen.
- Von Becker u. den ganzen Verhältnissen mußt Du mir erzählen, wenn wir beisammen sind. -
Der Weg am Sonnabend war sehr schön. Wir fuhren mit der Elektrischen hin, u. gingen dann um den Kümmelbacher (der ganz abgesperrt ist) herum u. auf der Landstraße bis Schlierbach. Anfangs trübe, wurde die Beleuchtung immer schöner u. es wurde ein wirklicher Genuß, den man ja jetzt nur selten hat.
Der Fastnachtsrummel ist schlimm hier. Gestern waren die Straßen voll von maskierten u. bemalten Kindern, morgen ist Narrenfreiheit - u. dann kommt der Aschermittwoch. Ich werde ihn mit Arbeit zubringen, als guten Jahresanfang, auch abends meine höchst sympathische Schülerin
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| hier haben u. am Donnerstag einige Damen bei mir sehen. - Ende der Woche wird Prof. Gans verreisen u. dann kann ich mit dem Mikroskop zu Hause arbeiten. Außerdem muß ich dann Fürsorge treffen für meine Garderobe, daß ich doch auf der Reise "etwas anzuziehen" habe.
Sei mir tausendmal gegrüßt u. bleibe gesund. Ich freue mich ja so grenzenlos auf Dich. Und nicht wahr, am 25. höre ich, daß Du dem Deutschen Philologenverband zugesagt hast?? Es ist doch eine so wichtige Sache! - u. überhaupt, nicht wahr?
Immer
Deine Käthe.