Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 27. Februar 1925 (Heidelberg)


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Heidelberg. 27.II.25.
Mein geliebtes Herz!
2 "Drucksachen" u. einen Brief hast Du an mich expediert - fast hätte ich gesagt: gewendet - Du guter Vielbeschäftigter! Habe vielen Dank. Du weißt, daß was von Dir kommt, mir die liebste Freude ist. Am meisten freut mich natürlich das Bild, das ich ausgezeichnet finde. Wann ist es denn gemacht? Offenbar hat es den schauderhaften Zeitungsreproduktionen als Vorbild gedient. Immerhin ist das in der Nationalzeitung noch gnädig ausgefallen! - Aber was redest Du von Vergoldung? Gold vergoldet man nicht - höchstens muß es mal poliert werden, u. das wollen wir im April, nicht wahr? Und wie froh bin ich, daß es zu Pfingsten wirklich mit Heidelberg etwas werden soll! Das ist herrlich. Wie wird sich wohl Hellpach aus der Affäre ziehen? Ich glaube, er nimmt es nicht schwer.
Die Bilder von Reval sind herrlich. Was muß das für eine interessante Stadt sein! Und den Strümpell zu lesen, wird mich auch sehr freuen - kurz Deine abgelegten Sachen kommen mir sehr "gelegen." - - Denke nur: Walther ist in Italien. Er schreibt befriedigt, obgleich er Fastnacht statt in Neapel auf einem Dampfer mit Maschinendefekt verlebte. - Auch sonst hatte ich gute Nachrichten von auswärts u. verlebte gestern die Nachfeier in gemütlichem Kreise. - - Weil ich Dir damals meine Entrüstung mitteilte über die Art, wie mich ich in der Kurfürstenstraße "ausgeladen" wurde, möchte ich Dir doch das Kärtchen von Mutti beilegen. Natürlich habe ich abgeschrieben, aber es freute mich.
Wie sich unsre Reise gestalten wird, ist nun also wieder fraglich. Es war mein stiller Wunsch, auf der Hinreise über München zu fahren, um die geliebten Galerien u. die arme Tante Jenny mal wieder zu sehen. Aber Du schriebst von Bamberg? Das wäre sicherlich sehr schön u. lohnend. Und es wäre dann vielleicht München auf der Rückfahrt zu berühren? - Jedenfalls aber möchte ich anfragen, ob ich einen Paß besorgen muß? Ich habe nur einen Polizeiausweis von 1919, unbefristet, also dauernd.
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| Ein Paß ist teuer, Photographie habe ich nicht - also würde ich es gern vermeiden, wenn Du es nicht um der Bewegungsfreiheit willen erwünscht findest.
Morgen verreist Prof. Gans; ich werde das Mikroskop nach Haus nehmen u. so viel Zeit sparen, wenn der Weg zur Klinik fortfällt. Ich habe 12 Zeichnungen vorbereitet. Die sollen alle im März fertig werden!
Hast Du die Besprechung von Hermann in der "Deutschen Mädchenbildung" über: "Neue Literatur über Jugendpsychologie" gesehen? Du weißt, mein Lieb, daß ich immer ein wenig ängstlich bin, wenn Gedrucktes von meinem Bruder kommt, so lieb ich den Jungen habe, - aber ich glaube, hieran können wir wirklich Freude haben. - Eine kleine Arbeit: 100 Jahre (pommersches) Schulwesen habe ich noch nicht lesen können, u. ebenso auch die große Besprechung von Kesselring, die Du mitschicktest. Du erhältst sie nächstes Mal zurück. - Ich freue mich so an Deinem Ruhm, mein liebstes Herz - u. beklage nur, daß er Dir so viel Plage bringt. Ist die Akademie auch eine Pflicht mehr? Immerhin scheint sie von außen glänzender als von innen?? -
Es ist wohl natürlich, daß mich Frau Riehls Schicksal oft in Gedanken beschäftigt. Es ist recht, daß Du schriftlich keine Einzelheiten erwähntest, das ist nie gut. Meine Vermutungen gehen daher aber wohl ins Ungewisse, wenn ich mir die Situation so vorstelle, daß Adelheid dem häuslichen Kreis entwachsen war. Ihr soll der Gatte ausschlaggebend sein u. Frau Riehl fühlt sich ihm überlegen u. ist gewohnt zu dominieren. Wie konnte es z. B. geschehen, daß sie damals Deinen Brief an Heyse las?! - Aber ganz wie Du, dachte ich auch sofort: man kann doch nicht sie von Klösterli vertreiben. - Und dann: was ists mit Lore? Ist sie ihr auch entfremdet? -
- Du wirst merken, daß ich recht müde bin, denn es ist schon sehr spät. Aber ich schicke Dir doch so gern einen Sonntagsgruß!
Was machen Deine armen Zähne? Ich werde mir ganz bald einen ausziehen lassen. Er mag mich nicht mehr. -
Viele, viele Grüße u. nochmals innigen Dank von
Deiner Käthe.

[li. Rand] Danke doch Susanne für ihren freundschaftlichen Glückwunsch.