Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 17. März 1925 (Heidelberg)


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Heidelberg. 17. März 1925.
Mein innig geliebtes Herz!
Schon zum 12. wollte ich Dir gern schreiben, aber es blieb beim stillen Gedenken. Nun soll wenigstens am 19. ein Gruß bei Dir sein. Mit Frl. Dr. Henrich hast Du uns einen sehr lieben Gast ins Haus geschickt u. jetzt ist sie, scheinbar recht befriedigt, in Neckargemünd untergebracht. Am Freitag kam Deine liebe Karte noch rechtzeitig, sodaß man die Räuberhöhle da unten säubern u. heizen konnte, es klappte alles u. das bescheidene liebe Mädel fühlte sich sichtlich wohl bei uns. Ihr natürliches, klares u. kluges Wesen berührt äußerst sympathisch u. besonders wohltuend empfanden wir den Mangel an jener bewußten Überschwenglichkeit, die wir schon so reichlich kennen lernten. Sonnabend wollte sie eilends nach N., ich begleitete sie, denn einem Unbekannten wäre die Sache schwer zu beschreiben. Leider hatten wir nicht vorher telephonieren können u. trafen daher die Dame nicht an. So war sie genötigt, wieder mit zu kommen u. wir wanderten auf der Landstraße zurück bis Schlierbach. Es war ein schöner, dicker Wintertag, aber allmälig fing es an zu schneien u. artete schließlich in einen richtigen Schneesturm aus gegen den wir kräftig ankämpfen mußten. Es machte müde, aber war herrlich u. bekam auch ihr vorzüglich. Sie sah bei ihrer Abreise schon ordentlich besser aus u. schreibt uns heute, man hätte sie gefragt, ob sie aus der Winterfrische käme. -
Wenn Du Dich doch auch für einige Tage frei gemacht hättest! Frl. Henrich sagt, Du habest von Goslar gesprochen. Aber vielleicht ist das nur vorgeschoben, um die lästigen Besucher fern zu halten? Recht sehr bedaure ich Dich auch wegen der beständigen Zahnleiden. Aber meinst Du denn, daß das wirklich wochenlang dauert, ehe man wieder "hergestellt" wird? Ich habe auch diesmal den Ersatz am nächsten Tage gehabt.
All Deine lieben Sendungen, auch außer der lebendigen, sind mit Freude u. Dank aufgenommen. Mit Liebe habe ich die Ankündigung Deiner Zeitschrift begrüßt, indessen erstaunt über 2 der Namen an der Spitze! Wenn wir beisammen sind, mußt Du mir erzählen, wie das alles zustande kam. Ich mag nicht immer fragen, weil Du doch so wenig Zeit hast, aber ich war schon lange so begierig, was das sei mit "Deiner" Zeitschrift, für die Du in diesen Tagen schreiben wolltest.
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Ja, ein Weckruf zur Erneuerung wird dies Blatt sein, u. ich fühle mit Glück u. Stolz, aber auch mit Beruhigung im Sinne der Zukunft, wie Deine Stimme in immer weiteren Kreisen gehört wird. Wie ganz besonders schön ist auch wieder dieser kleine Aufsatz in der Führerschrift. Das ganze Heft interessiert mich sehr. - Liebstes Herz, ich möchte auf Deine Zeitschrift abonnieren im Interesse von Hermann. Er schickt mir jetzt jeden Monat das "Deutsche Volkstum" von Stapel - da möchte ich gern auch etwas tun. Muß man da an Herrn Flittner schreiben? Wenn Du noch ein paar Ankündigungen übrighast, würde ich sie gern verschicken.
Morgen hoffe ich mal wieder Geld von Springer zu bekommen. Denke nur, mit dem was sich seit Dezember aufsammelte ist es 270 M. Du Guter hast mich die Zeit her über Wasser gehalten, da aber jetzt für die Reise einige größere Anschaffungen nötig sind, bin ich sehr froh über die große Summe. Ich brauche nämlich auch einen "Anzug", hoffe aber fertig kaufen zu können, denn Anfertigung soll alles in allem 130 M kosten, das lohnt nicht! Es käme mir geradezu unrecht vor. Wenn ich nichts bekomme, dann mußt Du mich eben nochmal in dem verunglückten Blauen mitnehmen.
Ganz besonders denke ich so, wenn ich mir klar mache, wie viele jetzt in Sorge um das Notwendigste sind. Was Du da über die Seminarlehrer schreibst, ist doch empörend. - Da hat man eine gute Institution zu Tode reformiert - u. nichts ist übrig. -
Jeden Abend sitze ich eifrig über dem Dehio. Aber ich muß sagen, wenn man nicht schon eine gewisse grundlegende Anschauung hätte, dann würde wohl nichts haften bleiben. Auch so ist mirs manchmal ziemlich verwirrend. - Wie ists denn nun, mein Lieb, mit unserm Zusammentreffen? Du hast mir nicht geantwortet wegen Bamberg. Solltest Du das aufgegeben haben u. wirklich erst am 5. nach Regensburg direkt fahren, so würde ich gern den Plan mit München ausführen. Gerade gestern bekam ich einen Brief der armen Kranken [über der Zeile] an Mutter in Berlin, zu dem sie sich nach Jahr u. Tag mal wieder aufgeschwungen hat, der so treu teilnehmend u. vereinsamt klingt, daß ich recht froh wäre, sie besuchen zu können. Bitte, sei lieb u. schreibe mir darüber eine Karte; ich möchte eventuell vorher dort anfragen. - Aber wenn Du andre Ansichten hattest, geht mir das natürlich vor. -
Von Prof. Gans kam ein Gruß aus Palermo, von Walther nicht mehr. Lieschen <li. Rand> Schwidtal ist noch nicht reisefähig, kann also bei uns nicht mehr unterkommen, denn der Onkel geht mir vor. <Kopf> Es scheint ja auch in Neckargemünd wirklich sehr angenehm u. da Aenne 3,50 M forderte u. draußen 4 M, so ist es dort entschieden vorteilhafter.
<li. Rand S. 1>
Mit den herzlichsten Grüßen u. Wünschen Deine Käthe.

[Fuß S. 1] Was sagst Du zu der Kandidatur Hellpach?!