Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 5. April 1925 (Nürnberg)


Nürnberg. 5. April 1925.
Roter Hahn.
Mein geliebtes Herz.
Du wirst denken, es sei das Porto nicht wert, aber ich muß Dir doch schleunig einen Gruß nachsenden. Ich muß Dir sagen, daß ich eigentlich garnicht hier bin u. mir recht ausgestoßen vorkomme. Du weißt es ja, welch tiefen, ausschließlichen Anteil ich an allem nehme, was Du bist u. tust u. wie nur die Rücksicht auf Dich mich bewegen konnte, auf die Gegenwart bei dieser Tagung zu verzichten. Denn es sind ja der Schwierigkeiten so viel für Dich, daß ich sie nicht auch noch vermehren möchte. So tröste ich mich mit dem Gedanken, daß ja zu Pfingsten in Heidelberg meine Anwesenheit nicht störend empfunden werden kann. Denn ist es nicht eigentlich selbstverständlich u. durchaus bekannt, daß wir zusammen gehören?
Möchtest Du morgen offne Ohren u. Herzen finden, daß verständnisvoller Widerhall Dich trägt u. freudig belebt. Sei Deiner selbst so gewiß, wie ich es bin, daß Dein Wesen ungehemmt ausströmen kann zu voller, nachhaltender Wirkung.
Ich grüße Dich tausendmal u. bin immer immer in unendlicher Liebe
Deine Käthe.