Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 24. Mai 1925 (Heidelberg)


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Heidelberg. 24. Mai 1925
Mein liebstes Herz,
erst heute kann ich die Druckbogen abschicken, denn leider war es mir am Freitag abend nicht mehr möglich, sie noch zu lesen. Ich war ganz kaput von dem Schrecken, den mir Dein Brief versetzt hatte. Du merktest wohl schon aus meinem Bleistiftzettel, welch Schmerz es mir ist, Dich krank zu wissen u. noch nicht einmal in der Lage zu sein, Dir zu helfen. Solche Kieferhöhlensache ist ja nicht eigentlich bedenklich, aber Du hast Schmerzen u. bist nicht ausreichend u. verständnisvoll verpflegt - - ach es ist schrecklich. Ob wohl inzwischen die Entzündung sich gemildert hat, ob der vermutlich angesammelte Eiter einen Ausweg suchte? Ist Kurzrock nicht vielleicht dafür, einen Specialarzt zuzuziehen? - - Ich hatte mal eine Stirnhöhlengeschichte, die sich ganz unerwartet von selbst ergoß - u. so hoffe ich, kann es inzwischen auch bei Dir geschehen sein. Aber verzeih, wenn ich Dich doch um häufigere Nachricht bitte, nur eine Karte mit Bulletin, denn diese sorgende Ungewißheit ist so unerträglich.
Sollte es nicht besser geworden sein u. Du meine Hülfe brauchen da sich Frl. W. nicht zum Pflegen zu eignen scheint, so schreibe es ja. Nur zögere ich natürlich, ohne Deinen ausdrücklichen Wunsch zu kommen, aber ich vertraue darauf, daß [über der Zeile] Du ihn äußerst, wie es zwischen uns doch selbstverständlich ist.
Die Gelegenheit mit den Druckbogen benutze ich um Dir gleich einige Restbestände zurück zu schicken. Über den Brinckmann hätte ich so gern eingehender mit Dir geredet, aber es machte sich nicht. - Auch den Brief von Geheeb lege ich wieder bei. Er hat recht, wenn er sich schämt, daß es erst ein Anliegen sein mußte, das ihn zum Schreiben veranlaßte. Was er über Saupe sagt, scheint wohl richtig. Der arme Mensch ist nun mal in der Anlage mißglückt. -
Heute haben wir hier Regen. Zu Unternehmungen hat der Onkel ohnehin keinen Mut, u. wir verbrachten die Tage zu Haus u. er meist im Garten. Es ist manchmal eine rechte Geduldsprobe, wenn man alles nicht zweimal, sondern drei- viermal sagen muß, bis er es versteht. Aber im übrigen ist es ein sehr bequemer Gast. Ich vermisse nur eine energische Entschlußkraft, die mir an jemand anders so
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| sympathisch ist u. bei deren Äußerung man doch erfährt, was der andere für Wünsche hat.
Gestern abend haben wir versucht - Schach zu spielen. Es ist ja etwas spät, um es zu lernen. Aber da ich ja für Halma u. Salta Geschick hatte, hoffe ich doch ein wenig Glück damit zu entwickeln. -
Für heute laß Dir nur noch von ganzem Herzen gute Besserung wünschen. Möchte die Plage rasch an Dir vorüber gehen u. Du Dich bald wieder erholen. Wer weiß, ob das nicht alles immer auch mit diesen abscheulichen Zähnen zusammen hängt, die Dich schon in Egern zu keiner Kräftigung kommen ließen.
In Liebe u. Sorge grüßt Dich
Deine
Käthe.

Auch Onkel nimmt natürlich lebhaft Anteil an Deinem Mißbefinden u. grüßt mit mir.