Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 28. Mai 1925 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg. 28. Mai 1925.
Mein liebstes Herz,
ich will den Druckbogen doch meinen Gruß beifügen, und Dir sagen wie unendlich ich mich freute, daß es Dir wieder besser ging. Als ich den zweiten Brief schrieb, hatte ich schon das Gefühl davon - hoffte sehr, daß es mich nicht täusche. - Was wirst Du aber nur für Deine Erholung in den Pfingstferien tun? Denn daß Du etwas tust, ist doch unbedingt nötig. Meine doch ja nicht, Du müßtest aufarbeiten - das geht hinterher viel schneller, wenn Du neue Kräfte gesammelt hast. -
Sehr erleichtert bin ich, daß Dein Verhältnis zu Klösterli nun wieder normaler ist. Vielleicht war solch eine Aussprache ein reinigendes Gewitter, u. der Zustand von Frau Riehl nicht solch schwere Erkrankung, sondern nur momentane Überreizung, wie Du zu Anfang annahmst.
Mit ganz eigenen Gefühlen lese ich die Druckbogen - vertiefe mich wieder neu in die längst bekannten Worte. Und immer regen sich wieder neue Beziehungen dabei, spiegeln sich andre Bezüge in den so unendlich vielsagenden, tiefen Ausführungen. Wer fühlte nicht die ganze Fülle des Lebens dabei! Ganz froh bin ich, daß nun auch der Goethe-Vortrag in weitere Kreise dringen kann. -
Auch auf die Denkschrift über die Ausbildung der höheren Lehrer habe ich Dir noch garnicht richtig geschrieben. Ich habe sie eifrig gelesen u. bin nur begierig,
[2]
| was von diesen Plänen durchführbar sein wird, denn im Grunde handelt es sich doch eigentlich darum, daß es Hochschullehrer geben muß von genügend universaler Weite, die ihrem Unterricht das Gepräge geben können, daß sich die organischen Beziehungen zum Leben u. Lehren von selber <gestrichenes unleserlich Wort> bilden.
Verzeih mir, daß ich in Eile schreibe. Ich muß zum Zeichnen u. der Tag ist so kurz. Aber er ist lang genug, um immerfort an Dich zu denken u. Dich bei allem zu vermissen.
Onkel grüßt herzlich. -
Und ich noch viel mehr. -
u. grüße auch Susanne herzlich.
Wie immer
Deine
Käthe.

<quer im unteren Drittel>
Zweierlei wollte ich fragen: 1. S. 65. ist das veraltetes Französisch?
2. S. 59. Die Frage - - mit der er der Kultur in die Arme fiel?? (den Arm)??
Der Vorstand schreibt auch von einem üblen Schnupfen, der sie sehr mitgenommen habe - scheint epidemisch.