Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 5. Juni 1925 (Heidelberg)


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Heidelberg. 5. Juni 1925.
Mein geliebtes Herz.
Den - leider letzten - Korrekturbogen will ich gern noch einen Gruß beifügen. Ganz das, was Du in den schönen, einleitenden Worten sagst, empfand ich beim Lesen: hier ist der Weg vorgezeichnet, hier ist lebensvolle, emporbildende Kraft. - Meine Pfingsttage waren erfüllt von diesem Geist - u. von neuem erhebt sich Mut u. Wille zum endlosen Kampfe. Woher kommen nur immer die dunklen Mächte? Habe ich nicht die höchste Erfüllung des Lebens in Dir, trag ich nicht im Herzen das Heiligtum einer ewigen Liebe?
Warum erlahme ich da doch immer wieder unter der Last des Alltags? Es ist doch etwas in mir, das nicht ausgeglichen ist, etwas das sich in täglichem Versagen erneuert u. was ich Dir bekennen muß - vielleicht, daß Du mich davon befreien kannst. Es ist meine gänzliche innere Entfremdung vom Vorstand, es ist als ob da alles zerstört wäre. Ich empfinde sie, wie ein böses Verhängnis, das die gerade, reine Linie meines Daseins zerbrochen hat.
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Heute nacht träumte ich so lebhaft von Dir. Aber Du warst noch nicht wieder gesund! Wenn Du mir doch endlich schreiben könntest, daß Du Dich wohler fühlst. - Ach, u. in Dir soll nichts verkümmern. Du weißt es doch, daß ich mein Herzblut "tropfenweise" für Dich geben würde u. daß es mir die unerträglichste Qual des Daseins bedeuten würde, glauben zu müssen, daß ich in Deinem Sein ein Hindernis u. eine Last werden könnte.
Ist es nicht von Ewigkeit zu Ewigkeit was uns bindet? Laß es unsre Kraft bleiben, unsern Lebensgrund von unerschöpflicher Fülle. Laß uns einander helfen in unerschütterlichem Vertrauen.
In Treue
Deine
Käthe.