Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 11. Juni 1925 (Heidelberg)


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H. 11. Juni 1925.
Mein liebes Herz.
Denke Dir, erst heute bekam ich Deinen Brief, der am 9. abgestempelt ist. Ich habe ihn wiederholt gelesen u. glaube, daß er besser nicht geschrieben werden könnte. Möchte er wirken, wie er gedacht ist, dann wird die momentane Entfremdung vergessen, denn Du bist ja im Herzen bereit dazu. Was gäbe ich darum, wenn das möglich wäre!
Am 8. - von dem Dein Zettelchen datiert ist - schrieb ich Dir, aber es kam nicht zur Fortsetzung. So lege ich den Anfang bei, denn ich habe so sehr das Verlangen nach einer Mitteilung. Du bist doch der Einzige, mein Lieb, mit dem ich innerlich lebe u. Du wirst Nachsicht haben, auch wo Du mich etwa "mißbilligst."
Ob Du wirklich die Rede in Frankfurt ablehnen konntest? Gesundheitlich wäre es gewiß richtig. Wenn ich auch ursprünglich gehofft hatte, Dich dort - (vor allem am Sonntag danach!) zu sehen.
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Hier ist morgen Feiertag, das ist bei der Hitze wirklich erwünscht. Mir tropft es fast auf die Zeichnung beim Arbeiten. Denn seit gestern ist der frische Unterton in der Luft weg u. es brütet über dem Tal.
Onkel spricht vom Abreisen, aber ich hoffe, er läßt sich noch zureden. Ich finde seine Kräfte doch sehr gering u. wollte nur, ich könnte mehr für seine Erholung tun.
Doch ich will den Brief gleich noch zur Post bringen, damit er durch mich keine Verzögerung erfährt.
Drum laß Dich nur innig grüßen
von
Deiner Käthe.