Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 4. August 1925 (Heidelberg)


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Heidelberg, 4. August 1925
Mein liebstes Herz.
Schon gestern wollte ich Dir schreiben, denn ganz unerwartet kam schon wieder eine Sendung von der Bank. Das ist gewiß ein Irrtum, mein Lieb, denn Du hast mir ja erst ganz vor kurzem 100 M geschickt. Damals war ich etwas auf dem Trocknen, aber jetzt habe ich doch zum Glück wieder einiges verdient. Jedenfalls aber habe innigen Dank für alles - auch für dies. Ganz besonders freute mich Dein lieber Brief, der später eintraf. Daß Du trotz aller Mühsal ziemlich wohlauf bist tröstet mich ein wenig, wenn ich auch dieses Abjagen immer nur mit Sorge sehe. Ich kann es gut begreifen, daß Du danach erst mal das Verlangen nach absoluter Ruhe hast u. hoffe nur, daß Villingen das Rechte dafür sein möge. Auf alle Fälle kannst Du ja dann von dort aus Dir Zusagendes suchen. Im allgemeinen soll dies Jahr der Schwarzwald leer sein wegen der enormen Preise. Da gehen die Leute lieber in die Schweiz. - Wenn Du nun also Sonntag oder Montag mit dem Schnellzugsbillet nach Heidelberg auf die Reise gehst u. in Darmstadt die Fahrt unterbrichst, dann wirst Du doch natürlich auch Schnellzug weiter fahren u. nach meinem (Lokal)-Plan geht der Schnellzug in D. ab 3,19 u. ist hier 4.30, der Personenzug geht 3.26 u. ist hier 5.20. Das hat doch keinen Sinn. Also hoffe ich Dich 4.30 abholen zu können!
Viel zu schreiben habe ich natürlich keine Geduld mehr. Und Du wirst froh sein, es nicht lesen zu müssen. Nur rasch berichten will ich, daß der Besuch der unvollkommnen Scheibe vollkommen erfreulich war u. daß ich ihr feines u. tüchtiges Wesen immer von neuem lieb gewinne. Was etwa affektiert an ihr erscheint, ist so äußerlich, daß es mich nicht stört; halb bin ich daran gewöhnt,
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| halb ist es auch mäßiger geworden. Es hängt eben auch mit ihrer Art zusammen, die auch das Kleine bedeutungsvoll nimmt. Am Sonnabend hat sich nun Günther Ruge angesagt, der als Wandervogel angeschwirrt kommt. Ich hatte gehofft, auf diese Weise könnte sich mal zwanglos eine Bekanntschaft zwischen Euch vermitteln, aber er muß schon am Sonntag mit seiner Gruppe heimreisen der Schule wegen. Nächtigen wird er in der Jugendherberge, aber ich hoffe ihm sonst was erweisen zu können.
Du schreibst von der Absicht, auf den Heuberg zu gehen. Es wäre mir ein großer Wunsch, wenn Du mich dorthin mitnehmen wolltest. Frau Koch hat mich schon wiederholt eingeladen, auch das letztemal wieder, also wäre ich kein ungebetner Gast u. Dich würde ich ganz gewiß dort nicht stören. Leider wird ja das Gretli dann nicht auch da sein.
Man findet mich allgemein schlecht aussehend, aber ich fühle mich ganz wohl. - Seit dem 30. Juni bemühe ich mich um einen Staatsangehörigkeitsausweis, noch habe ich ihn nicht! Aber 38 M Steuern mußte ich bezahlen! Da ist der Staat immer bereit.
Die Berufsarbeit stockt mal wieder, desto fleißiger bin ich im Hause. Ich hoffe, Du sollst mit dem Erfolg zufrieden sein. Wie freue ich mich auf Dein Kommen! Ich hatte immer mit der Möglichkeit gerechnet, daß Du nach Tirol gehen könntest, u. nun bin ich doppelt glücklich, daß Du hierher kommst. Daß Du den Pfarrer Goethe besuchst - verdankt er wohl seinem Namen?!
Grüße bei Riehls von mir u. auch Susanne, die mir einen lieben Brief aus Partenkirchen schrieb. Die armen Schulmeister haben nun schon die Ferien hinter sich. - Hier allerdings fangen die Ferien ja gerade an u. Paula Seitz reist nach Regensburg, Passau - auf ein Gut nahe der Grenze in Oesterreich. Dorthin braucht man ja nun keinen Paß mehr. - Am Donnerstag soll ja Paula mit Gertrud Spröhnle nochmal bei mir sein u. morgen Frau Anna Knaps u. Tochter Elisabeth mit dem Vorstand.
<li. Rand>
Nun also noch einmal Grüße aus der Ferne u. dann reise bald u. ohne Hindernisse zu Deiner Käthe.