Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 13. August 1925 (Heidelberg)


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Heidelberg. 13. August 1925.
Mein geliebtes Herz.
Nun bist Du hoffentlich in angenehmer Umgebung gut aufgehoben, u. die Waldluft dort auf der Höhe erfrischt Dich wohltuend. Sonnenklar wird es wohl kaum sein, denn auch wir sitzen in Wolken, aber leider ohne Frische, sondern [über der Zeile] mit der üblichen Schwüle. - Dein Hiersein war so kurz, daß es mir wie ein Traum erscheint. Wie sehr freue ich mich auf das Wiedersehen! - In Gedanken bin ich bei allem, was Du mir erzähltest. Es beschäftigt mich natürlich am meisten, wovon Du auf der Schloßterrasse sprachst. Persönlich kann Dich doch ganz gewiß solch niedrige Gesinnung nicht berühren, aber es handelt sich darum das geistige Fluidum für die gesamte Studiengemeinschaft zu retten. Denn keinesfalls dürfen doch die andern entgelten, was ein oder zwei Einzelne verschuldet haben. -
Mit Stolz erfüllt mich die Vorrede zu den Lebensformen. Diese an Dir so ungewöhnte Schärfe wird doch endlich auch die Schwerhörigen zum Aufhorchen bringen. Du hast ein Recht, es zu verlangen.
Ich muß heute das gute Frl. Overbeck aushalten. Morgen kommt Gertrud Spröhnle zum Kaffee, das ist viel netter. Und am Sonnabend abend will Trude Döllken eintreffen "eventuell mit Tochter." Darauf lasse ich mich nun aber nicht ein mit dem Nächtigen. Ich quartiere sie auswärts ein. Sie haben ja die Mittel dazu.
- Von meinen Wandervögeln habe ich natürlich noch nichts gehört, wohl aber erfuhr ich, wie traurig ihre Heimkehr war. Meine Befürchtung, die Du so spöttisch abwiesest, war nur zu berechtigt. Am Sonnabend, während ich die Buben auf dem Friedhof umherführte, hat Vater Mellin die Augen für immer geschlossen. Mutter, aus der Kurfürstenstraße, schrieb es mir, mit dem seltsamen Zusatz: "Käthe Mellin ist eine so bewundernswerte, tapfere u. tüchtige Frau, sie wird sich durchkämpfen." Was heißt "durchkämpfen", wenn man mittellos 4 Kinder erziehen soll?
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Aus der Zeitung suchte ich die Bemerkung über das Eitzsche Tonwort; vielleicht kannst Du daraus mehr entnehmen als ich. -
Und nun laß mich bald wissen, wie es Dir dort gefällt u. ob es Dir gut geht? - Zu einem Brief habe ich keine Geduld mehr, ich hoffe aufs Reden, drum nimm mit diesem Wisch vorlieb, der Dir nur viele, viele innige Grüße bringen soll.
Deine Käthe.

Bertha sagte: "wofür denn?"