Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 4. Dezember 1925 (Heidelberg)


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Heidelberg. 4. Dez. 1925.
Mein liebstes Herz.
Du wirst natürlich schon auf eine Antwort gewartet haben, aber erst gestern bekam ich die Anweisung auf der Post mit der Anfrage, denn der Postbote traf mich nie zu Haus. Und gestern war der ganze Tag so besetzt, sogar abends noch nach dem Abendbrot bei Willes, - so kam es nicht mehr zum Schreiben. Ich fürchte auch, daß ich Dir nichts zu raten weiß, wo Du nicht längst selber schon gesucht hättest. Ich wüßte nichts zu vermuten als: im Eßzimmer den Schrank (unten) u. die Etagere an der Wand links; in der Kammer neben der Küche ein Schränkchen, u. ein Gefach am Fenster; unter dem alten Schreibtisch die Kiste? - Wie schade, daß ich nicht rasch mal für Dich suchen kann!
Ich bin so froh, daß du wieder ein Klavier hast, das gehört doch ganz entschieden zu Dir!
Vermutlich habt Ihr auch so tiefen Winter, wie wir. Denn hier ist es doch in der Regel um einiges milder. Ich bin froh, daß endlich wieder klare Tage sind für das Zeichnen. So kann ich Gans u. die Pathologie gut vereinen. Die Kälte ist nicht schlimm seit es trocken ist, u. mein Ofen funktioniert nach Wunsch. Auch in der Klinik lasse ich mir entsprechend heizen. Den Hexenschuß habe ich sicher durch
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| unnötiges Frieren [über der Zeile] in der Klinik verschlimmert. Noch immer bin ich die Geschichte nicht völlig los. - Aber das ist ja nicht schlimm gegen die arme Paula Seitz. Sie hat ganz schrecklich durchmachen müssen u. es wird sie sicher furchtbar mitnehmen. Gut, daß bald die Weihnachtsferien kommen, wo sie sich dann bei Verwandten in Ruhe erholen will. - Jetzt sind es nur noch 3 Wochen, mein Liebling, u. es wäre wohl gut unsern Plan aus Darmstadt jetzt etwas näher zu erörtern. Hast Du die Absicht festgehalten? Ich hoffe es so sehr, denn ich weiß gewiß, wie gut wir uns mündlich über all das verständigen würden, was schriftlich so schwer zu erörtern ist. Ich habe Dich doch so lieb, wie sollte ich nicht Dein Wesen verstehen! - -
Am Montag soll mir endlich ein Winterkleid gemacht werden. Gib aus der Ferne Deinen Segen, daß es gerät. -
Wie ists, willst Du Cäcilie Oesterreich ein Buch schenken, oder soll ich etwas für sie ausdenken? Und kann ich Dir sonst irgend etwas besorgen?
Ich grüße Dich innig u. danke Dir nochmals sehr. Mit dem treuen Wunsche, daß es um Dich u. in Dir sich lichten möge bin ich in immer gleicher Liebe
Deine Käthe.