Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 12. Dezember 1925 (Heidelberg)


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Heidelberg. 12. Dez. 25.
Mein liebstes Herz.
Ganz rasch muß ich Dir nur schreiben, wie glücklich ich bin, daß Du herkommen willst. Ob die Bibliothek offen ist, weiß ich freilich noch nicht, aber im Notfall könnte ich vielleicht die Bücher vorher für Dich besorgen, auch wäre uns vielleicht Wille behülflich, denn die Dozenten dürfen ja stets hinein.
Wegen Cassel mach Dir keine Sorge, entweder kann ich vorher dorthin, oder Onkel wünscht es auch nicht einmal. Ich habe absichtlich noch nicht darüber verhandelt, ehe ich wußte, was Dein Vorhaben ist.
Hast Du denn Susanne überhaupt nicht gesehen inzwischen?
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| So habe ich mir das alles garnicht gedacht. Es wäre doch gewiß möglich gewesen, den Verkehr in normal freundschaftliche Bahnen zurück zu lenken, denn der Mensch kann, was er will! Mir aber widerstrebt es durchaus, in Rücksicht auf das Gerede der Leute etwas als unberechtigt abzubrechen, was vor dem eignen Gewissen bestehen kann. - - Ich fürchte beinah, daß durch solch unnatürlichen Zwang nur eine gesteigerte Spannung entsteht, die die gebotene Selbstbeherrschung eines Tages doppelt gefährdet. - Wenn es sich doch zum Guten ebnen wollte!
Ich grüße Dich innig u. freue mich jetzt unendlich auf Weihnachten. Bleibe nur gesund! Einen Wunsch habe ich nicht außer dem, daß Du kommst! - Wie stehts mit Cäcilie?
Also: auf Wiedersehen in 15 ½ Tag!
Deine Käthe.