Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 18. Dezember 1925 (Heidelberg)


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Heidelberg. 18. Dez. 1925.
Mein geliebtes Herz.
So tiefen Schnee habe ich hier noch nie gesehen, überhaupt wohl zum letztenmal im Jahre 19, als ich noch im November in Berlin u. Leipzig war. Leider aber ist dabei Tauwetter, sodaß die Herrlichkeit nicht lange dauern wird.
Hoffentlich sind die Verkehrsmittel in Berlin dadurch nicht unterbrochen worden, das bedeutet sonst immer noch ein Plus an Anstrengung. Sehr gehofft hatte ich, eine kurze Nachricht über Deine Wünsche betreffend Cäcilie Oesterreich zu bekommen. Wenn ich etwas besorgen soll, in welchem Preise? Ich habe mich immer in Gedanken damit befaßt u. hätte wohl an ein Buch gedacht, da sie gern liest. Aber welcher Art? Du kennst die Jugendlektüre besser. Ich hätte z. B. an das "Universum" [über der Zeile] (8 M.) gedacht, sie ist doch jetzt in dem Alter, wo der Mensch sich gern mit den äußeren Errungenschaften befaßt, Menschenschicksale interessieren noch weniger. Oder wäre Dir eine nette Schreibtischgarnitur, d. h. Tintefaß, Federhalter etc. lieber? Wenn Du mit meinen ersten Vorschlag einverstanden bist, so bitte, bitte, schreib mir rasch eine Karte. Es ist noch Zeit für alles.
Die hiesige Bibliothek bleibt diesmal während der Ferien geöffnet, mit Ausnahme der Sonn- u. Feiertage. Also da ist kein Hindernis. Hoffentlich kommt auch sonst keines, sodaß ich
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| Dich am Montag, d. 28. früh, hier mit Freude empfangen kann.
Du sollst Dich nicht etwa besinnen auf irgend ein Geschenk für mich. Eine ganz kleine Kleinigkeit macht mir Freude - u. wenn Du kommst, verrate ich Dir noch einen Wunsch, der zwar eigentlich ein Luxus ist, der aber vielleicht zu Weihnachten gestattet sein dürfte. -
Von Onkel hatte ich einen Brief. Er wünscht meinen Besuch lieber später, möchte zu Weihnachten still für sich sein, dann kommt vermutlich Rudi. - So werde ich, wie hier üblich, mit Aenne zum Heiligabend nach dem Hamshof fahren u. - - mit Ungeduld auf Dein Kommen warten. - Walther ist diesmal bei seinen Schwiegereltern.
Zum Schreiben fehlt Geduld u. Zeit. Ich habe davon auch etwas viel zugesetzt mit einer allabendlichen Fango-Kur, da mein Hexenschuß sich als Ischias erwies u. ich den Kram doch gern vor Deiner Ankunft los sein wollte. Es hat auch wirklich fabelhaft geholfen. -
Möchtest Du auch die Plage mit Zähnen u. allem sonstigen los sein u. Dich körperlich frisch fühlen. Dem "Andern" [über der Zeile] was bedrückt, wünsche ich die Entwicklung, die Deinem Wesen lieb u. entsprechend ist u. uns Beiden ein gesundes Wiedersehen!
Es grüßt Dich innig
Deine
Käthe.