Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, [30. Juni] 1926 (Wilmersdorf)


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Mein innig Geliebtes!
Wenn Dir vor der Aussicht auf Assistenz bei Operationen "graut", so bin ich weit entfernt, Dir "zuzuraten." Ich bin nur der Meinung, dass man sich daran ev. gewöhnt. Man sagt allgemein, daß derjenige, der es nicht aushält, schon das erste Mal versagt. Es kommt also auf das Wagnis einer Probe an. Das bloße Zusehen ist in der Tat eine schwere Sache. Aber wenn man tätig und wissenschaftlich dabei beschäftigt ist, fällt eine Anzahl von Hemmungen fort. Bist Du also nicht ganz abgeneigt oder apriori unfähig dazu, würde ich es auf eine Probe ankommen lassen. Nur unternimm nichts, wovon Du den
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| Eindruck hast, daß es Deine Nerven auf die Dauer schädigt.
Ich habe anscheinend mein flaches braunes Messer verloren u. wäre Dir dankbar, wenn Du mir wieder so eins schenken könntest.
Gestern (unmittelbar nach einer schlechten Vorlesung) war ich in großer Gesellschaft bei Roethe, wo u. a. auch der Oberst Reinhard mit Frau war, der hier eine historische Rolle gespielt hat. Franke sagte zu mir: "es ist eine Schwester von Ihnen hier" u. meinte damit (Exc.) Frau Helferich. Dies geht nun etwas weit. Aber sie hat mit m. Mutter in der Tat einige Ähnlichkeit. (geb. v. Siemens.) Wir sprachen recht lebhaft miteinander. Abends nahm sie mich in ihrem Auto mit. Es wurde sehr spät, u. von dem allgemeinen Geschrei dröhnen mir heut noch die Ohren. Heut sind 4-5 Stunden Senat. Ich habe so unverbindlich eine Idee, daß wir beide vielleicht in der 2. Hälfte des August <li. Rand> auf 10 Tage nach Mittenwald gehen könnten, ich dann noch 4-5 Tage nach Partenkirchen. Am 6.IX. muß ich in Groningen sein, u. vorher eine Woche in Berlin.
Herzlichste Grüße Dein Eduard.