Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 12. Juli 1926 (Wilmersdorf, Postkarte)


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Wilm, den 17.7.26. Mein i. Geliebtes! Schon längst wollte ich Dir schreiben, u. es gäbe viel zu schreiben, aber es geht jetzt nicht. Denn ich muß heut u. morgen den Akademievortrag für den 29.7. unter Dach u. Fach bringen, von dem ich noch keinen Strich habe. Du weißt, daß ich neben dem Ausarbeiten niemals anderes machen kann. Also nur einen kurzen Gruß. Ich bin allgemein furchtbar belastet, aber es geht mir gesundheitlich sehr gut, abgesehen von kl. Nagelbettentzündung, die trotz Kurzrock gut zu werden scheint, u. ein bißchen Zahn. Susanne ist seit fast 14 Tagen in Berchtesgaden. Wetter dort wechselnd. Hier gewittrig u. recht strapaziös, heute aber wundervoll. Eben sind Ermatingers aus Zürich von mir weggegangen. Es hat Torte u.
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| Schlagsahne gegeben, - etsch, das ist Dir ganz recht. Heute vor 8 Tagen war Einweihung des Gefallenendenkmals. Sehr schöne Feier. Hindenburg war da. Ich habe ihn z. 1. Mal ganz nah gesehen, sieht nicht alt u. leidend, sondern sehr fest u. gut aus. Leider regnete es uns etwas auf die Talare. - In dem Fall B. Schwalbe sehe ich (von hier aus) eigentlich keinen Anlaß, die Sache ungünstig zu beurteilen, nachdem Augenschein günstig war und alles gut klingt. Das ist doch oft genug der Lauf der Dinge. Wie sich's entwickelt, kann niemand wissen, am wenigsten ich, ohne 1 von beiden zu kennen. Du bist recht angespannt. Verstehe sehr, daß das Buch fertig werden muß. Wegen unsrer Reisepläne möchte ich nun nichts sagen. Wenn die Zeit für Oberbayern so kurz wird, bleibe ich vielleicht im August hier. Denn es ist dann ganz still hier u. ich kann ein wenig aufarbeiten. Vielleicht paßt es dann im September besser. Jedoch ohne obliga. \ Was soll die graue <Wort unleserlich> im Brief? Ist das Bluse, Kleid? scheint recht vernünftig.\ Die Studiengemeinschaft ist heut in Hohenlychen, u. ich muß wegen Arbeit zu Hause bleiben. Die Kollegs verlangen auch noch viel Bedienung. Der kleine Thieme hat in 1 Leipziger Blatt eine geradezu verräterische Rezension gegen mich geschrieben (cf. Sachsen.) Neulich war Litt zu Mittag bei mir, um Bier wegen seiner Tochter zu konsultieren. <li. Rand> Das Kapitel Steuern hat mich sehr beschäftigt. Von den Einnahmen bleibt fast nichts übrig. <Kopf> Mehr Raum ist hier nicht. Also viel herzliche Grüße u. tausend gute Wünsche Dein Eduard.