Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 26. Juli 1926 (Wilmersdorf)


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Wilmersdorf, den 26. Juli 1926.
Mein innig Geliebtes!
Es ist eine böse Zeit, in der man so wenig miteinander in Verbindung bleiben kann. Gegenwärtig ist es am schlimmsten, und ich weiß nicht, wie ich durch diese Woche durchkommen soll. Aber wir müssen doch wenigstens das Praktische erörtern. Kannst Du jetzt schon übersehen, wann Du fertig wirst?
Bei mir liegt es so: ich muß spätestens am 8. früh nach Reichenberg fahren, obwohl hier ein Haufen liegen bleibt, bei größtem Fleiß. Am 9. u. 10. habe ich in Reichenberg zu reden. Am 11. gegen Nachm. könnte ich wohl nach Prag abfahren. Dort am 12. bleiben; dann am 13. nach München (ab Prag 11.15. an München 10.10 abends.), ev. auch einen Tag länger in Prag. Sagen wir also 14.VIII München, 15.VIII. in Mittenwald. Nun könnte ich ja 5 Tage in Partenkirchen bleiben. Es paßt dann Frau W. recht schlecht, weil sie selbst kocht. Aber es ginge zur Not. Später als am 20. aber dürftest Du nicht kommen, wenn
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| es überhaupt lohnen sollte.
Kannst Du nicht, so gehe ich am besten zunächst nach Berlin zurück, erledige allerhand und mache ein paar Touren in die Umgegend. In diesem Fall müßten wir ca vom 15.-25. September irgendwo zusammensein.
Es ist auch möglich, daß wir nicht nach Oberbayern gehen (die Wahl wäre zwischen Mittenwald u. Seefeld; ich bin für M., von wo aus Seefeld immer zu erreichen ist. Z. Z. soll es an beiden Orten sehr voll sein. Susanne hat in Seefeld gar keine Wohnung, in Mittenwald ein Loch gefunden. Im August ist es vielleicht so schlimm nicht mehr. Wir könnten auch in der 2. Hälfte August nach dem Schwarzwald gehen. Was ziehst Du vor? Und ev. wo im Schwarzwald? Ich nenne: Rippoldsau, Lenzkirch (Bahnhofshotel), Todtmoos. 10 Tage sind überall auszuhalten. Nur möchte ich nicht gern länger als etwa 3 Tage allein sein, weil ich das bei meiner Überreizung schwer aushielte. Also spätestens 18.VIII. Aber ohne Hetze. Bitte um Deine Antwort. Denn ab 8.VIII. ist m. Adresse schwankend. Wir müssen einen Tag u. einen Treffpunkt festlegen, so, daß Du ab Freiburg oder ab München spätestens mittags da bist.
Heute hatte ich in der Vorlesung noch fast 500 Mann. Sie ist eben auch sehr schön. Die Akademierede ist im Rohbau fertig, bei ungeheurem Fleiß. Ich habe mich noch nicht für das Messer bedankt. Das alte hat sich wiedergefunden. "Alle <li. Rand> daran geknüpften Kombinationen sind also gegenstandslos." Thieme hat auf m. Erwiderung erwidert. Es bleibt dasselbe geistige u. moralische Niveau.
Innigste Grüße Dein Eduard.

[re. Rand] Agnes Stück u. Rudi Hadlich haben mir aus Greifswald eine Karte geschickt.