Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 2. September 1926 (Berlin/Wilmersdorf)


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<Stempel: Prof. Spranger
Berlin-Wilmersdorf
Hohenzollerndamm 39>

2.9.26.
Mein innig Geliebtes!
Deinen lieben Brief aus Frankfurt vom 31.8. habe ich mit Dank erhalten. Ebenso hoffe ich, daß m. Brief aus P. und m. in Halle am 30.8. eingesteckte Karte zu Dir gelangt sind. Von einem Autounfall der Hanna Schwalbe habe ich nichts gelesen; wie ist es denn gekommen? Und hat sie dabei das Leben eingebüßt?
Hingegen freut es mich, daß Du ein paar Ruhetage in Frankfurt gehabt hast. Hauptzweck m. heutigen Schreibens ist die Beratung über unser Zusammensein. Wenn es Dir möglich ist, mir gleich zu antworten, bekomme ich den Brief noch Sonntag früh. Am Montag früh 8 Uhr fahre ich nach Groningen (Hôtel Willems oder einfach: Bureau des VIII. Internationalen Psychologen Kongresses.) Der Kongreß selbst dauert bis zum 11.IX. Ob ich bis zum Schluß bleibe, hängt davon ab, ob es erträglich ist. Hingegen
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| hat sich soeben ein Faktor herausgebildet, der m. zeitlichen Dispositionen leider unsicher macht. Ich fragte den Minister Schmidt nach der Entfernung zw. Amerongen und Groningen. Er will in Haus Doorn mitteilen, daß ich in Holland Vorträge halte. Es ist nun nicht unmöglich, daß ich von dort eine Einladung bekomme. Deshalb nehme ich den 12. noch nicht bestimmt als Reisetag in Aussicht, aber den 13.
Mit dem Gedanken Heiden habe ich mich lange getragen. Es wäre gewiß das Schönste, obwohl es bei s. nach Norden offenen Lage im September schon rauh sein könnte. Aber der Hauptgegengrund ist doch, daß zu viel Zeit auf die Reise draufgeht. Groningen - Heiden und Heiden - Berlin sind 4 Tage einfach auf der Eisenbahn. Das muß vermieden werden im Interesse der Zeitausnützung. Ich habe auch an die Nordsee gedacht. Aber im September ist das ein Risico, wenn man überhaupt noch nicht weiß, ob man das ewige Rauschen aushält. Nicht unsympathisch wäre wohl uns beiden ein Aufenthalt in der Mark, Gegend Rheinsberg oder Rappin. Aber da gibt es nur minderwertige
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| Hôtels, und auf ein gutes, nicht luxuriöses, aber kultiviertes Hôtel lege ich Wert. So bin ich auf Miltenberg gekommen. (Riese.) Man kann von dort mancherlei unternehmen, z. B. Wertheim u. Rothenburg. Das ist aber nur ein Vorschlag. Wenn Herrenalb oder etwas Ähnliches im näheren Schwarzwald besser geeignet sein sollten (Luft!), so folge ich Deinen Informationen. Nur muß es ein wohnliches Hôtel sein, das im Notfall auch heizt.
Einen endgiltigen Entschluß können wir wohl erst fassen, wenn wir zusammen sind. Deshalb scheint es mir das Klügste, nur zu verabreden, daß ich so schnell wie möglich nach Heidelberg komme. Mein Fahrplan zeigt, daß ich von Groningen in 1 Tage bis Heidelberg kommen kann. Ankunft 10 Uhr 11 Min. Wenn möglich, telephoniere[über der Zeile] graphiere ich von deutschem Boden aus noch. Für den Notfall aber bleibst Du wohl am 13.9. bis 11 einmal wach, damit ich hinein kann.
Auf Deine Äußerung kann ich von Groningen aus noch antworten, u. wir können dann definitiv mindestens verab
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|reden, ob Treffpunkt Heidelberg.
Nicht unmöglich ist es, daß ich im Oktober noch einmal für 3 Tage etwa nach H. komme (von Hattenheim aus.)
Seit m. Ankunft hier bin ich sehr tätig gewesen, aber immer nur subalternes Zeug. Jetzt gleich gehe ich zum Geburtstag von Dora Thümmel; morgen Neubabelsberg, wo es nicht besonders gut zu stehen scheint. Das Wetter ist jetzt herrlich. Aber das ist mir garnicht so lieb; denn das wird uns möglicherweise abgezogen.
Das wäre wohl für heut das Wichtigste. Alles übrige mündlich. Lieb wäre mir's, wenn Dir noch ein recht guter Reiseeinfall käme. Aber nicht weiter als ½ Tag von Heidelberg, nicht wahr? Selbst Hinterzarten ginge noch an. Aber da sind Sümpfe u. also wohl Nebel. Ich bitte um Deine Hilfe.
Laß es Dir recht gut gehen und sei tausendmal gegrüßt von Deinem sich im voraus unsagbar freuenden
Eduard.

Gretli Schwidtal?