Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 10. September 1926 (Groningen)


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Groningen, den 10. September
abends.
Mein innig Geliebtes!
Soeben habe ich mit Doorn telephoniert. "Ein Empfang scheint wohl möglich." Nun, prinzipiell ist er ja schon durch den Minister Schmidt zugesagt. "Er kann natürlich erst Anfang nächster Woche stattfinden." Mein Wunsch, daß es Montag sei, stieß nicht auf Schwierigkeiten beim Herrn Hofrat. Jedenfalls sitze ich nun fest. Morgen (Sonnabend) Mittag fahre ich nach Utrecht. Dort soll ich telephonisch Bestimmtes erfahren. Ich hoffe immer noch, daß der Kaiser dann doch Sonntag wählt. Wenn nicht Montag, so fahre ich inoffiziell nach Doorn und versuche mich loszueisen. Denn spätestens Dienstag möchte ich fahren. Wenn ich den Dfernzug wähle, der mir etwas teuer ist, kann ich Dienstag um 6.54 in H. sein. Andernfalls 10 Uhr 11.
Hier löst sich die Sache allmählich auf.
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| Für meine Richtung in der Psychologie war es ein großer Sieg hinsichtlich der deutschen Psychologen, ein erfolgreicher Vorstoß bei den Ausländern. Gelernt habe ich wenig, fast nichts. Aber es war gut, daß ich herging und die Sache in freier Rede mit einem Erfolg verteidigte, den neben mir nur Janet errang, dieser aber rein rhetorisch.
Ich muß meinen Smoking anziehen und um 9 zum Empfang seitens der "Municipalität" von Groningen. Hoffentlich gibt es Champagner. Man wird allmählich müde.
Also vermutlich Dienstag auf frohes Wiedersehen!
Herzlichst Dein
Eduard.