Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 16. November 1926 (Chemnitz, Postkarte)


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Chemnitz 16.11.26. 12 Uhr nachts
M. L! Das war heut ein harter Tag: In der Vorlesung hatte ich gerade heut das schwierigste Stück. Letzte philos. Fragen vor 600 Leuten - ein Nonsens. Dann gleich an die Bahn, 5 Stunden Fahrt bei ca 25°. Dann an der Bahn gleich Kügelgen, eine arme Ruine, aber in manchen Zügen so der Alte, daß es ergreifend wirkte. Vortrag um ½ 8 vor ca 250-300 Leuten endete mit stärkstem Beifall. Aber ich kann diese Reden nicht mehr ertragen, die nicht bis ins letzte durchgefeilt, durchgedacht und durchkonzipiert sind. Und dazu langt die Zeit nicht, oft aber auch nicht das Vermögen. Morgen um 7 ¼ kommt v. K, um 8.12 fahre ich weiter. Ich kann Land und Leute nun einmal nicht ertragen, buchstäblich nicht. Von m. vielen alten Bekannten hier zeigte sich flüchtig nur einer; sie haben nicht den Mut, den "Neuen sächs. Lehrerverein" aufzusuchen. - Ich schreibe heut hauptsächlich wegen einer
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| Bitte. Dr. Meyer will die 4 Aufsätze in der Erziehung als Buch herausgeben. Bitte sage mir Deine Ansicht: 1) hat es Einheit 2) läuft es nicht aus wie das Hornberger Schießen? Ändern möchte ich nichts. Es könnte sich nur um einen Abdruck handeln. Man muß dazu das Ganze einmal in 1 Zug lesen. - Sonntag war ich auf dem Kirchhof, wo es ganz gut aussah. Gute Nacht Dein
Eduard.