Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 24. November 1926 (Berlin/Wilmersdorf)


<Stempel: Prof. Spranger
Berlin-Wilmersdorf
Hohenzollerndamm 39>

24.11.26.
Mein innig Geliebtes!
Heut eine wichtige Frage. Ich stehe in Verhandlung wegen einer Villa: glänzende Verkehrslage, nämlich 5 Min. von Bhf. Halensee, ganz am Anfang der Villenkolonie Grunewald, Gillstr. 7, 2 Häuser von Harnack, eine Lage, die ich als Ideal im Auge gehabt habe; daher mein näheres Eingehen. Vorzug: keine jüdische Vermittlung, anscheinend lauter anständige Leute. Preis 70000 M. Anzahlung 35000 M. Preis bei sofort. Barzahlung 65000 M; ganz kleiner Garten, wie erwünscht.
Mängel: Hauptfront nach Norden; allerdings mit Balkons, die Ostsonne u. Westsonne haben, und ein Erker, der von beiden Seiten Sonne hat. (Nach Süden nur in den Wohnetagen je 1 Fenster. Weiterer Mangel: vom Keller bis Boden beide mitgerechnet 6 Stockwerke.
Im einzelnen: Hochpaterre 3 Zimmer (s. rohe Skizze.) 2 Räume von zu 6 ½ Tiefe und 5 Breite; hinten ein sehr helles Zimmer 4,25 tief, 4,75 breit. 1. Stock 3 Schlafzimmer
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| fast gleich groß wie unten; das eine hat einen Ausgang auf den Westbalkon; das südliche stößt an ein Badezimmer an, an dem man beim Hineingehen hindurch muß. Soweit ich in Erinnerung habe, hat auch das östl. einen eignen Eingang. 2. Stock: 2 recht geräumige Zimmer, daneben Waschküche mit Herd, dieses Stockwerk eignet sich vorläufig zum Vermieten. Souterrain, ca 30 cm unter Straßenhöhe, vergitterte Fenster: 2 sehr geräumige Mädchenkammern, zimmerartig, nach Süden eine helle u. schöne Küche. Zentralheizungsanlage. Keller und Boden sind gut und groß.
Bauart: Fester Ziegelstein, teilweise verputzt. Hinten Putz schadhaft. Balkons mit Holzteilen, Epheuberankt, würde fortfallen. Innen Zimmer recht verwohnt, bürgerlich angelegt, Tapeten großenteils zu erneuern. Treppe aus festem Holz in einfachem altem Stil.
Geldfrage: ich könnte 35000 M ohne Mühe anzahlen. Ja ich möchte 45000 mindestens anzahlen. Rest bliebe Hypothek in Händen einer vornehmen Dame (Rittergutsbesitzerin.) Grundsteuer u. Hauszins 110 M monatlich = meiner jetzigen Miete. Hypothekenzinsen würden zwischen 1500 und 2000 M machen. Ich behielte eine Reserve in München mit 5000 M. Aber es bleibt neu zu
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| leisten: Umzug, Einrichtung (allmählich) und eine 2. Bedienung; ev. Kriegsbeschädigter??
Über die Einteilung der Zimmer bin ich noch nicht klar; sie ist nicht einfach und für mich nicht besonders günstig. Frl. W. würde wohl im 1. Stock wohnen wollen, was man ja konzedieren könnte, solange 2. Stock (leer!) vermietet wird.
<Zeichnung: Grundriss von Villa, Garten und Straße; mit Zimmerbezeichnungen.>
Herrenzimmer müßte Arbeitszimmer werden.
Bibliothek zugleich Eßzimmer.
Salon: Empfangszimmer.
Mein jetziges Arbeitszimmer: 5,60 tief
      3,80 breit
Nachmittag: Ich habe die ganze Sache "beschlafen." nicht lange, und bin zu einem recht negativen Resultat gekommen. Wenn ich mich mit m. Arbeitsraum verbessern sollte, so müßte der ganze 1. Stock dafür freibleiben, also umgebaut werden; dies macht neue Kosten, u. Vermieten fällt dann fort.
<li. Rand> Was meinst Du?
Hrzl. Grüße Dein E.