Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 7. Dezember 1926 (Wilmersdorf)


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Wilmersdorf, den 7. Dezember 1926.
Mein innig Geliebtes!
Es tut mir so leid, daß Du Patient bist. Habe nur Geduld und steh nicht früher auf als nach einem fieberfreien Tag. Hoffentlich sind die Ohrenschmerzen nur Nervenschmerzen, ohne lokale Ursache. Ganz besonders bitte ich, aus Sparsamkeitsrücksichten weder Nötiges noch Erleichterungen zu versäumen. Du brauchst jederzeit nur die Zahl zu nennen, die erwünscht ist. Viel lieber würde ich freilich ein wenig pflegen. Recht gute Besserung!
Mir ging es auch gestern u. heute schlecht. Auf einmaliges Unterlassen des Rotweins u. Ersatz durch sehr dünnen Tee erfolgte nachts u. morgens eine 6malige Katastrophe. Natürlich darf trotzdem die Vorlesung nicht ausfallen. Ich war eben bei Kurzrock, und er bleibt bei s. Diagnose.
In Erfurt ging alles programmgemäß, aber natürlich nicht ohne Anstrengung u. Aufregung. Ich bin sehr fatiert worden. Mein Vortrag war auf cause célèbre angelegt und dick mit Ideen gestopft; da ich aber wegen des Festakts u. der
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| Begrüßungen erst um 1 beginnen konnte, habe ich gejagt u. gekürzt, was nur möglich war, nicht zum Nutzen der Sache. Trotzdem war man sehr zufrieden. Es waren u. a. da: Petersen - Jena, Michels - Jena, Utitz - Halle, Feldmann - Mainz, Deuchler - Hamburg (alle mit Ausnahme v. Michels bloß - neidische Konkurrenten.) Muthesius, F. Lienhard, Regierungspräs., Landeshauptmann, Oberbürgermeister, Provinzialschulrat etc. etc. Nur nicht Becker u. Bölitz. Ich habe ein riesiges Ehrendiplom bekommen. Montag früh gleich Vorlesung, die in der Bahn u. zu Hause bis 1 gemacht werden mußte.
Die Deutsche Akademie war gleichfalls zufrieden, u. wir saßen nachher ganz nett zusammen: ich zwischen 2 weiblichen Excellenzen, u. 2 männliche gegenüber - das charakterisiert das Ganze.
Ich bin durch Besuch unterbrochen worden (Schwiegersohn von Delbrück), und muß nun zu Lüders (in kleinstem Kreise.) Bis zum 22.XII. ist jeder Tag, z. T. mehrfach, besetzt. Ich hoffe auf unser Wiedersehen am 3. oder 4. Feiertag.
Nochmals gute Besserung und herzlichen Dank für beide liebe Briefe
Dein
Eduard.

[] Frau v. Wieser hat mir die Originalradierung ihres † Mannes v. Schmutzer geschenkt.