Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 22. Dezember 1926 (Berlin/Wilmersdorf)


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<Stempel: Prof. Spranger
Berlin-Wilmersdorf
Hohenzollerndamm 39>

22.12.26.
Mein innig Geliebtes!
Es beunruhigt mit etwas, daß es mit Deiner Erholung so langsam vorwärtsgeht. Du solltest etwas nachhelfen, z. B. mit Chinawein oder einem guten, wärmenden Pfälzer. Doppelt leid tut mir nun mein Vorschlag wegen 1.25. Ich könnte ja auch die Nacht in Darmstadt bleiben und erst am 29. früh in Heidelberg eintreffen.
Mit mir geht es eigentlich auch nicht recht vorwärts. Meine Diät besteht darin, daß ich Weißbrot haben soll, kein Kompott und keine Süßigkeiten. Trinken kann ich nur milden Bordeaux, leider keinen deutschen Rotwein.
Seitdem gestern die Vorlesungen aufgehört haben, ist nun noch mehr zu tun als vorher. Es gibt eben keine Ruhe, und deshalb auch keine Besserung.
Dies aber soll nicht so ein trockener Berichtsbrief sein, sondern ein Weihnachtsbrief,
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| der Dir sagt, daß die ewige Liebe auch in unsrer Liebe lebt, daß ich mit Dir ein stilles Weihnachten feire und daß ich mich auf unsrer kurzes Zusammensein unendlich freue.
Ich darf mich doch darauf verlassen, daß Cilli und Hermine von Dir bedacht sind. Du Armes, wie sollst du 30 Geschenke machen! Allein die Arbeit geht über Deine Kräfte. Und ob du auch 30 Geschenke bekommst? Mein Beitrag ist, wie stets, sehr bescheiden, nur das Album für unsre Photographien. Aber ich habe wieder garnicht an Weihnachten denken können, und bei mir sind es - ca 50. Die Nächsten kommen dabei immer zu kurz. Möge es stimmungsvoll sein in Ludwigshafen. Grüße auch den Vorstand herzlich. Auf gutes und gesundes Wiedersehen
Dein
Eduard.