Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 14. Januar 1926 (Heidelberg)


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Heidelberg. 14. Januar 26.
Mein liebstes Herz.
Innig erfreut über Deine liebe, reichhaltige Sendung, die ich bei meiner Rückkehr von der Klinik vorfand, wollte ich mich gerade recht ungestört in die Fortsetzung der "Erziehung" vertiefen - da schlage ich die schwarzumränderte Seite auf! Wie hat mich dies Unerwartete getroffen! Ich hatte doch den zuversichtlichen Brief gelesen, der nun scheinbar alle Sorgen beendet hatte. Denn ich weiß ja, wie wichtig Dir die Mitarbeit dieses tätigen, einsichtsvollen Mannes war. Und nun so plötzlich ist alles zu Ende. War es nur eine täuschende Besserung, was ihn so hoffnungsvoll machte, oder kam eine neue Krankheit plötzlich dazu? Ich empfinde diesen Verlust für Dich mit aller Schwere, ich weiß, wie groß diese Lücke ist, denn der verständnisvollen Mitarbeiter gibt es leider so wenige. Du hast es, scheint's erst ziemlich spät erfahren, denn in Deinem lieben Brief vom 6.I. erwähnst Du noch nichts? Möchten andere Kräfte für Deine Ziele heranwachsen - der persönliche Verlust wird bleiben.
Das ist ein trauriger Anfang für das neue Jahr, u. Dein Brief hatte ohnehin so wenig Freudiges zu melden gehabt. Über die beabsichtigte schriftliche Vermittlung hast Du mir keinen Bescheid gegeben. Du denkst vielleicht, keine Antwort sei auch eine. Mich aber läßt der Gedanke an diese kleinen unnötigen Reibereien nicht los u. ich hülfe so gern, sie abzustellen.
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Vielleicht könnte ich schreiben: ich hätte bei Deinem Hiersein den Eindruck gehabt u.s.w - - - u. das beschäftige mich so, daß ich schreiben müsse.? - Die latente Verstimmung, die nun einmal eingerissen ist, verstehe ich gut. Wenn Du doch gleichgültiger sein könntest gegen ihre Launen. Aber Du bist womöglich schon besorgt, Deine Wünsche zu äußern aus Sorge vor Opposition, nicht wahr?
Hier ist am 10. pünktlich die von Dir prophezeite kältere Witterung eingetreten. Seit der scharfe Ostwind aufhörte, ist es höchst angenehm, klar; sonnig u. hell für meine Arbeit. Es droht mir eine neue Aufgabe; es gibt ein Instrument, mit dem man die feinen Adern in der lebenden Haut riesenhaft vergrößert beobachten kann. Danach soll ich versuchen zu malen. Es ist für Prof. Bethmann. Die kleine Zeichnung für Dr. Froboese habe ich absolviert u. von einem Studenten noch restliche 7 M bekommen, die ich schon verschmerzt hatte. So tröste ich mich über die unbezahlten Stunden!
Ich habe garkeinen Sinn, heute von anderem zu schreiben. Drum gute Nacht, mein Liebstes, ich bin mit meinem Herzen bei Dir u. teile Deine Schwierigkeiten.