Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 31. Januar 1926 (Heidelberg)


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Heidelberg. 31. Januar 1926.
Liebstes Herz.
Heute bist Du in Hamburg. Hoffentlich hattest Du für Deine Fahrt ebenso schönes Frühlingswetter, wie wir hier in diesen Tagen. Ich bedaure, daß ich nicht einmal Deine Adresse weiß, denn ich hätte Dir gern schon vor 2 Tagen geschrieben, um einer Sache willen, die mich bedrückt. Onkel Hermann schrieb mir u. bat um mein Kommen, um ihm bei der Wohnungsräumung behülflich zu sein. Er nannte: 10 Tage, die ich ihm zusagte, u. zwar sofort, weil er Ila sogleich Nachricht geben müsse, die seine Wohnung zum Tausch für sich verwenden will. Es ist mir schwer geworden, aber ich sage mir: wozu sind Opfer, wenn sie nicht gebracht werden! Der gute Onkel hat für mich u. uns alle zeitlebens so viel getan, daß ich ihn unmöglich im Stich lassen kann. - - Im stillen hatte ich den Wunsch gehabt, zum 24. März den 70. Geburtstag von Mutter Lili in der Kurfürstenstraße mitfeiern zu können. Jetzt muß ich also Ende der Woche nach Cassel u. ich bin überzeugt, daß Onkel hofft, der Aufenthalt dehnt sich nach Bedarf aus. Ich aber möchte das keinesfalls, da ich gerade mal wieder etwas verschiedene Beschäftigung bekommen hatte. Was soll ich machen?! Auch fürchte ich mich etwas vor der Anstrengung, die das unzweifelhaft bedeutet, denn Onkel ist nicht mehr in der Lage, entsprechende Hülfe zu bezahlen u. hat die denkbar wenigste Bedienung. Andrerseits halte ich es für gut, wenn die Sache für ihn einen Abschluß bekommt. Offenbar ist ihm die Last über den Kopf gewachsen u. er braucht vor allem weiblichen Rat für die Haushaltssachen. Er selbst will nach der Wohnungsaufgabe auf den Brunnen bei Hofgeismar ziehen, in das Altersheim.
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| Du weißt, die hübsch gelegenen Häuser an der Allee, die wir nach Beberbeck gingen.
Ich will also nach Möglichkeit mich darauf beschränken, ihm bei der Organisation der Sache zu helfen u. ihn bestimmen, großzügig vorzugehen u. nicht allen alten Kram wichtig zu nehmen. Vielleicht kann man doch das Wesentliche in der Zeit entscheiden. Als frühesten Termin meines Kommens hatte ich den 6. Februar bezeichnet.
Heute nun kommt beiliegender Brief von Ila, den ich als Kuriosum beilege. Ich habe ihr in gleicher "Sachlichkeit" geantwortet; was sagst Du zu der unverschämten Art dieser Person, der zulieb ich doch so eilig kommen soll!?
Es ist so schwer, daß ich von Dir garkeine Nachricht habe, die doch immer für mich das Licht für den Alltag gibt. - Ich wollte, der 2. wäre erst glücklich vorbei, ich bin von der vielen Zeichnerei recht müde, u. nun kommt diese neue Schwierigkeit. Ich wäre nicht so verstimmt, wenn ich in den 10 Tagen wirklich etwas Ausreichendes leisten könnte, aber so habe ich das Gefühl nur, hier meine Arbeit zu versäumen u. dort wieder fortzumüssen, ohne daß Onkel den richtigen Nutzen davon hätte.
Daß der häusliche Friede wieder gebessert ist, war mir eine rechte Beruhigung. Möchte das von Dauer sein. - Und wie war es in Klösterli? Und wie ists mit der guten Susanne? Hast Du Dora Thümmel gesehen? Lernt der Sekretär ein wenig dazu? -
Ich bin, wie Du merkst, ganz benommen von dem unerwarteten Zwischenfall, u. ich weiß jetzt schon, wie hart es mir sein wird, wenn ich von der unfertigen Sache dort wieder fort muß. Und morgen geht nun hier die Festivität los - leider habe ich von Dir nie ein Wort der Zustimmung zu meinem Geschenksvorschlag erhalten. Nach der Art meiner Anfrage muß ich das als Zustimmung nehmen, aber ob es wirklich Deine Meinung ist? Im Unterbewußtsein wirkte wohl bei meiner Wahl Deine Frage von neulich mit, ob ich denn garkein geschichtliches Werk hätte! Freilich hat man da wohl an etwas andres gedacht! Jetzt kam es so durch die Lektüre. - Sei innig gegrüßt.
Deine Käthe.