Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 8. März 1926 (Heidelberg)


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Heidelberg. 8. März 1926.
Mein Liebstes,
wenn man nur zum Schreiben nicht die Augen brauchte! Die wollen eben einfach abends nicht mehr. Aber es ist doch einfach notwendig, daß ich Dir schreibe - oder hast Du am Ende gar überhaupt keine Zeit, es zu lesen?
Gerade in den letzten Tagen war wieder allerlei Arbeit an den komplizierten Apparaten, für Kapillaren u. für Augenhintergrund, dagegen ist mein gewohntes Mikroskop ein wahres Ausruhen. Aber umso mehr fühle ich die Notwendigkeit, nach der langen Winterdunkelheit mal wieder eine Pause zu machen. Gans ist schon verständigt u. einverstanden. Die Andern - nun, die werden eben warten.
Doch zuerst jetzt einmal vielen herzlichen Dank für Deine liebe, gewissenhafte Sendung, die mal wieder einem dringenden Bedürfnis abhalf. Cassel hatte mir doch allerlei Unkosten gebracht, wenn auch Onkel mir Reise u. Verpflegung ersetzen wird. Er hatte es damals nicht im Krankenhaus verfügbar, u. außerdem gibts auf Reisen immer Ausgaben, die nicht im Programm waren. So der Finger nebst Behandlung, so 3 Luxussachen, die ich mir erlaubte: guten Kaffee zu trinken, möglichst die Elektrische zu benutzen, u. mein Gepäck tragen zu lassen! Sehr großartig, nicht wahr? - Hier war gleich Miete zu entrichten, eine fast vergessene Kohlenrechnung zu bezahlen u.s.w. - Jetzt habe ich nun noch die Schneiderin gehabt u. das läuft auch "im Gelde" - so kann u. kann ich nicht dazu kommen, die von Dir gewünschten Ersparnisse zu machen, sondern komme immer nur gerade aus. Ich verdiene eben trotz der Mühseligkeit der Arbeit u. trotz der Lobeserhebungen, die sie mir einbringt, nicht genug Reelles damit.
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Dein Vorschlag mit der Reichenau macht mich sehr glücklich. Es ist ein wundervoller Gedanke u. ich glaube, ich habe ihn Dir aus der Ferne suggeriert, denn wenn hier in den Gärten die Mandeln blüten u. all die andern Knospen zu schimmern begannen, dann dachte ich voller Sehnsucht an unsern ersten Frühling auf der Reichenau. Bitten möchte ich Dich nur, den geplanten Tag für Heidelberg nicht auf die Hin- sondern auf die Rückreise zu verlegen. Dann - (noch gänzlich im Rohbau) habe ich folgende Pläne: 15.III.-22.III. Cassel. Dann bis etwa 30. Berlin, dann über Ostern Stolp, Stargard, Bukow - Rückreise Berlin, Halle, Cassel Heidelberg 10.IV. - Oder wenn der noch immer schwebende Wohnungstausch von Ila nicht zustande kommt, fällt Cassel jetzt aus u. kommt ein andermal dran. Auch der 24.III. als feierlicher Geburtstag ist noch kein bindender Zwang, da Mutter keine große Feier wünscht. - Man hat mir bereits von 4 Seiten das Reisegeld angeboten, wenn ich nur komme. Das ist mir um Deinetwillen lieb, mein Herz, denn Du hast schon immer so viel Unkosten mit mir, daß ich - wenn ichs auch natürlich am liebsten von Dir nehme - Dir keine weiteren Ausgaben zumuten kann. Und selbst verdienen ist nun mal zu dürftig. Die Reise aber ist meinem Gefühl nach notwendig, auch mit dem Verzicht, der darin liegt Dich in Berlin nicht länger zu sehen. Vielleicht fällt nur mal eine unerwartete Stunde für mich ab, so wie in Darmstadt, das mir in besonders leuchtender Erinnerung blieb. -
Für heute muß ich aufhören. Aenne ist diese Woche nach Stuttgart u. Würzburg, aber Bertha versorgt mich ganz ordentlich. In der Dunkelheit ging ich allein über die Brücken am Neckar hin, ich komme sonst garnicht mehr an die Luft. Sobald ich Definitives beschlossen habe, schreibe ich Dirs, hauptsächlich handelt es sich darum, wann Onkel meine Hülfe nochmals braucht.
<li. Rand>
Viel innige Grüße von Deiner Käthe.