Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 27. Juli 1926 (Heidelberg)


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Heidelberg. 27. Juli 1926.
Lieb Herz, einen Brief kann ich Dir heut auch wieder nicht schreiben, aber wenigstens sollt Du doch sehen, daß ich des 27. gedenke. Ew. Hochwohlgeboren haben zwar nicht geruht, mir wenigstens das Thema der heutigen Rede mitzuteilen, u. so muß ich mich mit dem Bewußtsein der Tatsache begnügen. Gut, daß die arge Hitze vorbei ist, so ist die Anstrengung doch geringer.
Was aber war das mit der Nagelbettentzündung - wo hat sie gesessen? - wie kamst Du dazu? War das wieder der alte Nachahmungstrieb? Hoffentlich hast Du nicht so viel Schmerzen davon gehabt, wie ich im Februar.
Wann wirst Du einmal Zeit haben, mir die Chronologie Deiner Pläne zu entwickeln? Nächste Woche ist doch nun das Semester zu Ende. Ich denke, abgesehen vom Seminar, bist Du [über der Zeile] im Rückblick ganz zufrieden damit. - Für nächsten Mittwoch u. Donnerstag hat sich Dora Thümmel hier angemeldet. Viel Zeit werde ich ja nicht übrig haben, denn jetzt läuft wieder die Augenklinik nebenher u. es heißt s täglich 5 Stunden zeichnen. Aber Prof. Seidel ist so begeistert von meiner Hände Werk, daß es mir richtig Spaß macht. Auch Gans überbietet sich mit Anerkennung u. ein Amerikaner, der dieser Tage hier war, Prof. MacEwen war eitel Bewunderung. Dieser Besuch war für G. eine Vorübung im englischen Vortrag u. ich amüsierte mich über seine Beredsamkeit. Die Tatsache, daß ich jedes Wort verstand, war mir der Beweis, wie wenig "englisch" es war.
Von allen Seiten kommen jetzt Reisegrüße u. wecken Gelüste. Ob ich bis zum 15. fertig werde? Bis wann müßtest