Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 6. August 1926 (Heidelberg)


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Heidelberg. 6. Aug. 1926.
Mein Herz, Deine liebe Karte zeigte mir, daß Du trotz all meiner Warnungen u. Zweifel doch mit Sicherheit auf die Möglichkeit gerechnet hattest, ich könne mich rechtzeitig hier los machen. Es ist ja auch mir eine Tatsache, die ich nicht recht verwinden kann, daß der einzige Vorzug eines "freien Berufes": nach Belieben seine Arbeitszeit einzuteilen, diesmal gänzlich versagt. Es wäre noch dazu leichter zu ertragen, wenn ich gewiß sein könnte, daß mein Opfer nicht zwecklos gebracht wird. Aber bei der Unbeständigkeit u. Unklarheit der ganzen Gans'schen Sache bin ich dessen garnicht sicher. Aber natürlich kann ich nicht die Verantwortung für das Nichtzustandekommen auf mich nehmen. -
Daß Du Deinen Reiseplan deswegen nicht abänderst, ist sehr richtig. Ich hatte nur daran gedacht, weil Du selbst es so geschrieben hattest. Aber es ist unbedingt nötig, daß Du so bald als möglich in richtige Erholung kommst, u. so hoffe ich, daß das bessere Wetter, das jetzt einsetzte,Dir treu bleiben wird. - Nach einem schönen gemeinsamen Tag mit der Thümmelei in Neckarsteinach, habe ich die 5 soeben auf die Bahn begleitet; sie werden sicher eine feine Fahrt haben den Rhein hinunter.
Was nun Holland anbetrifft, so lege ich auf ein Seebad nicht den mindesten Wert. Also mache Dir weiter keine Skrupel, denn der Besuch bei Bertha v. A. wäre nur gelegentlich gewesen, durchaus kein Selbstzweck. - Vorgestern bekam ich auch eine Sendung "i. A.", also leider ohne Zeilen auf dem Abschnitt, die mir immer die Hauptsache sind!! Aber habe für Deine treue Fürsorge innigen Dank.
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Am 8. wirst Du also nach Reichenberg fahren. - Laß mich nur bald wissen, wenn Du in Bayern ein festes Unterkommen hast. Auf alle Fälle könnte ich ja wohl nach Mittenwald postlagernd schreiben, wenn ich etwas mitzuteilen habe.
Welch eine Ewigkeit ist es her, daß ich von Dir keinen Brief hatte - u. nun ists auch mit dem baldigen Sehen nichts! Ich finde das recht grausam vom Geschick.
Aber laß es Dir gut gehen, mein Lieb, dann ist mir alles recht. Und wenn Du nun mal Zeit hast, dann schreibe
Deiner
Käthe.