Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 24. August 1926 (Heidelberg)


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Heidelberg. 24. August 1926.
Mein Lieb, wie tut es mir leid, daß Du so schrecklich schwitzen mußt! Und ich hatte mich doch so über das wunderbar schöne Wetter gefreut, das Deine Reise begünstigte. Habe vielen Dank für all Deine lieben Karten u. Briefe! - Denke Dir nur, hier ist eine so frische u. dabei sonnige Witterung, daß man abends direkt friert. Wenigstens tun dies Grassi's, die seit 2 Tagen von Rom hier ankamen. Wir sind ja froh, daß sie durch Vermittlung wirklich einen Paß bekamen, denn sie hatten sich sehr nach der alten Heimat gesehnt. Aber da sie unten bei Aenne wohnen, ist dies keine ganz leichte Aufgabe für diese. - Was sie über den Faschismus erzählen, ist nicht gerade danach, einem Lust dazu zu machen; es ist dasselbe von rechts, was die Russen von links erleben: rohe Gewalt.
Über Deine liebe Absicht, nun im September das versäumte Zusammensein nachzuholen, bin ich sehr glücklich. Es hilft mir über die Enttäuschung u. den Ärger leichter hinweg. Denn, denke Dir nur, neulich als Prof. Gans verärgert war, wurde er auch gegen mich ganz unbegründet ausfallend. Ich habe ihm aber rund erklärt, daß ich mir das nicht gefallen ließe.
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| Zur Erinnerung an diese ersprießliche Aussprache hat er mir dann - sein Bild geschenkt! Denn bei der Mischung von Gutmütigkeit u. Feigheit, die ihm eigen ist, will er dann immer wieder einlenken.
Wie eine Fernwirkung war es mir, daß Du so "rare Gesichte" hast. Denn gerade zu derselben Zeit sah ich im Heidelberger Schloßhof eine ganz bezaubernde Aufführung vom Sommernachtstraum. Du kannst Dir denken, wie ich Dich dazu herbei wünschte u. wie ich an jenen gemeinsamen Abend dachte! Es war die Darstellung diesmal wirklich traumhaft schön u. im Vergleich zu damals wie Natur zur Technik. Leider kann ich Dir durch Beschreibung auch nicht die leiseste Vorstellung von den Eindrücken dieser Märchenbilder geben.
Sehr froh bin ich, daß der "Ersatz" so gut ausfiel. Hoffentlich hast Du den kühnen Draufgänger nun heil wieder heim geschickt. Und bei Wittings sage von mir sehr herzliche Grüße, besonders an Felizitas. - Ob Du in München aussteigen wirst? Wenn möglich, besuche doch das eigenartige Denkmal im Hofgarten vor dem Armeemuseum; aber allein, ohne störende Begleitung! -
Was die Pläne für den September angeht, so lockt mich am meisten Heiden - Überlingen wäre wohl weniger, da das Kahnfahren im September vielleicht nicht mehr ratsam ist, u. Villingen - nein, von den Juden habe ich augenblicklich genug. Aber Heiden ist, glaube ich, in der Jahreszeit sehr geeignet u. "der See" in der Nähe!
Innig Deine Käthe.