Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 3. September 1926 (Heidelberg)


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Heidelberg. 3. Sept. 1926.
Mein Liebstes,
vorhin kam Dein Brief mit den Reisevorschlägen, den ich eilends beantworten will. Habe Dank dafür u. ebenso für die Karte zum 31., die ich bei meiner Rückkehr hier vorfand u. für den Brief aus Partenkirchen, aus den ich mit Bedauern entnahm, daß das Zusammensein mit Adalbert K. nicht so ersprießlich war, wie ich gehofft hatte.
Jetzt aber sind meine Gedanken vorwärts gerichtet, u. da möchte ich Dir zu bedenken geben, daß Miltenberg ja recht niedlich für eine Tagestour ist, aber wenn man das ganze Jahr in der Neckarluft sitzt, dann hat man Sehnsucht nach einem kräftigeren Klima. Es wäre mir also Herrenalb entschieden lieber, aber Baurat Seitz, den ich heute sprach, riet noch mehr zum Haldengasthaus bei Freiburg. Da habe man schöne Spaziergänge u. dabei die Stadt in erreichbarer Nähe bei schlechtem Wetter. Was hältst Du davon?
Vor allem aber freue ich mich auf Dein Kommen, mag es nun um 11 Uhr oder um 12, 1, 2, 3 Uhr sein. Ich erwarte Dich - falls vorher keine Nachricht kommt - also am 13. - Daß Du den ehemaligen Kaiser vielleicht besuchen willst, ist für mich nur als ein Akt der Pietät gegen das Hohenzollernhaus verständlich. Er selbst ist für mich keiner Verehrung wert, u. nur durch die Annahme pathologischer Anlagen
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| zu entschuldigen.
Verzeih die eilige u. schlechte Schrift, mein liebes Herz, ich bin ziemlich herunter u. außerdem ist eine grenzenlose Schwüle. Über dem Odenwald steht ein Gewitter, das der Neckar nicht zu uns herüber läßt, u. es wäre doch so nötig für Mensch u. alles Lebendige.
Laß es Dir gut gehen in Groningen, u. strenge Dich so wenig an, wie es irgend geht. - Vorläufig bin ich noch in regelmäßiger Tätigkeit - da gehen die Tage sehr rasch; es sind also gerade noch 10 bis Du kommst.
Ach, wie freue ich mich!
Daß Du übrigens von dem Oktoberaufenthalt hier als problematisch sprichst, erinnert mich doch bedenklich an Dr. Gans. Denn das hattest Du mehrmals mündlich u. schriftlich als feststehend angegeben! Also!
Daß ich bei unserm Aufenthalt gern auch ein wenig Rücksicht auf die Erholungsmöglichkeit nehmen möchte, wirst Du begreifen. Denn ich bin doch durch die sehr angestrengte Arbeit eigentlich über meine Kräfte angespannt gewesen, immer in der Meinung, daß das mit dem 15. August ein Ende haben würde. Nun kommt eben doch für die Nerven ein fühlbarer Rückschlag. - Auf der Halde ist es sicher heizbar, dort ist ja auch Winterbetrieb. Aber mir ist auch was Andres recht, nur ein bißchen Höhenluft!
Viel innige Grüße u. lauter Gutes für Deine Reise!
Immer nur
Deine Käthe.

[li. Rand] Vielen Dank auch für den Akademie-Vortrag! Ob ich ihn verstehen werde?