Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 3. Oktober 1926 (Heidelberg)


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Heidelberg. Sonntag. 3. Okt. 1926
Mein geliebtes Herz.
Jetzt fährst Du schon wieder stundenlang in der Eisenbahn - aber es bringt Dich mir näher, u. das ist schön! Das hätte ich ja garnicht erwartet, daß Du mir solch großen, lieben Brief schreiben würdest; ich fing nur an, mich ernstlich zu beunruhigen, weil ich Dich doch um eine Karte über das "allerhöchste Befinden" gebeten hatte! Habe Dank für Deine lieben Zeilen u. für alles Mitgesandte, über das wir allerlei reden müssen. Es ist mir schrecklich, daß Du mit den üblen Zähnen so viel aushalten mußt u. es ist mir doch zweifelhaft, ob ein Erhalten so zweifelhafter Wurzeln wirklich ein Nutzen ist. Jedenfalls ist es zu teuer erkauft, wenn es so zur dauernden Plage wird.
Also am 9. willst Du gleich von Hattenheim aus nach der Odenwaldschule. Es erspart Dir so ein Stück Bahnfahrt u. das ist auf alle Fälle nützlich. Wie aber steht es da mit mir? Ich wollte doch so gern mitkommen, habe mir das schon seit Jahren gewünscht. Aber vielleicht meinst Du, es könne Dich behindern? Auf alle Fälle will ich Dir aber doch mitteilen, daß ich von hier in Heppenheim um 8.16 oder um 10.29 sein kann, in Bensheim um 8.23 oder 10.50 - Sonst - wenn Du mich nicht mitnehmen willst - erwarte ich Dich aber jedenfalls hier noch am 9. gegen Abend. - Wissen möchte ich gern, ob ich da für Dich offnen Rotwein besorgen darf oder eine Flasche? Denn wir werden doch dann wieder gemütlich unser frugales Abendessen zu Hause einnehmen, nicht wahr? Oder bist Du erpicht auf die Reichspost?
Gestern habe ich den Springer gleich absolviert, u. genieße es nun mal wieder, recht faul zu sein. Da ist ja den ganzen Tag im Haus zu tun, aber so recht mit Seelenruhe! Heute abend werden wir Mozart-Quartette hören: Busch-Serkin
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| u. am Mittwoch singt der Thomanerchor in der Peterskirche. Wie schade, daß Du da noch nicht hier bist. Ich freue mich darauf - aber noch viel, viel mehr auf den Sonnabend.
Etwas muß ich Dich noch fragen: schon wiederholt hat Frau Krall, die Du ja von Partenkirchen kennst, gebeten, ob wir sie nicht mal mit nach Ketsch nehmen wollten. Wenn wir nun am Sonntag gehen sollten, was doch wahrscheinlich ist, dann könnte man sie vielleicht auffordern? Ich glaube zwar nicht, daß sie gerade sonntags aus den Familienbanden frei zu machen ist, aber: entweder hat man dann mal den guten Willen bezeigt, oder falls sie doch kann, würde sie wohl kaum ein störendes Mitglied sein u. man könnte sie u. den Vorstand gelegentlich zusammen tun! Was meinst Du?
Es ist wieder wärmer geworden, das ist mir Deines drohenden Schnupfens wegen auf der Reise lieb. Auch kommt man so noch ein wenig ohne Ofen aus.
Ich hätte gewiß noch manches zu fragen - aber ich will lieber den Zettel jetzt noch an die Post bringen, daß er doch morgen bei Dir ist. Der hats gut! Mich graulst Du ja weg!
Laß es Dir recht, recht gut gehen. Ich wünsche Dir ein ungestörtes Befinden, dann ist für alles Übrige schon gesorgt!
Viel Grüße in Liebe von
Deiner
Käthe.