Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 5. Oktober 1926 (Heidelberg)


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Heidelberg. 5. Okt. 1926.
Mein Liebstes,
Du warst nicht zufrieden, weil ich keinen Gebrauch von Deiner Groninger Adresse gemacht hatte, da will ich doch nur rasch noch einen Gruß nach Hattenheim schicken, da Du mir so lieb das Hotel nanntest. - Wie war es gestern in Frankfurt? War es erfreulicher als damals mit den Lehrern? - Ich freue mich Tag u. Nacht auf Dein Kommen u. bitte die liebe Sonne um Beständigkeit, damit Du recht viel vom schönen Neckartal haben kannst.
Heute soll Ella Gaß, die Tochter des Theologen, zu mir kommen, von der ich Dir einen sehr hübschen kleinen Artikel über Treitschke-Erinnerungen zeigen muß. Am Sonntag waren die Mozart-Quartette ganz herrlich, in fabelhaft vollendeter Wiedergabe. Es war eine Größe darin, wie ich sie sonst unter der Grazie Mozartischer Musik garnicht bemerkte.
Auf einmal weiß der Vorstand auch von einer Dame, die bei Pfarrer Blumhardt den Halt ihres Lebens fand. Es wäre eine feine, begabte Malerin gewesen.
Deine mitgesandten Briefe, mein Herz, beschäftigen mich öfter. Die fromme Seele ist ja etwas ausführlich, aber es bewegt mich, zu sehen, wie Du immer unbewußt in jedem das Höchste auslöst. - Auch der Ton von Felix Krueger hat etwas so menschlich Warmes, daß es wohltut. Er ist zwar "gekränkt", aber er möchte sich (vielleicht etwas schuldbewußt?) doch gerne aussöhnen. Das ist ja nun wohl inzwischen geschehen.
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Was die Deutsche Akademie eigentlich ist, mußt Du mir erklären. Eins allerdings bezweifle ich, daß Du nämlich einen Vorsitz über eine Sache führen könntest, die andre leiten. Also Arbeit wird schon sicher dabei sein. -
Ich hatte Briefe vom Doktorinchen (Henrich) u. von Walther, sie scheint ziemlich elend u. möchte am liebsten zum Studium zurück!, u. er ist für kurze Zeit nach Frankenberg an der Eder (zwischen Marburg u. Cassel) gekommen. Ein armer Heimatloser; gut nur, daß er so die Schwiegereltern in der Nähe hat.
Eins muß ich Dir noch sagen: Wenn Du es "im Grunde übel" findest, mich nach der Odenwaldschule mitzunehmen, dann laß es lieber sein. Du weißt, ich will nichts, was gegen den Strich geht. - -
Morgen, der 6. Oktober ist der Todestag meines Vaters, da sind es 27. Jahre, seit ich ihn verlor. Und am 7. starb meine arme Schwester. Am 9. war Kurts Geburtstag - lauter Gedenktage! Und am 9. kommst Du, mein liebstes Herz, das ist Gegenwart - Leben!
Ich grüße Dich von ganzem Herzen!
Deine
Käthe.