Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 18. Oktober 1926 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg. 18. Okt. 1926.
Mein liebstes Herz,
habe Dank für Deine Karte, die mir sehr wohltat, gerade in einem sehr schweren Augenblick. Denn sie kam zusammen mit der Todesanzeige von meinem Vetter Heini, dem 2. Sohn, der vor dem armen, alten Onkel stirbt. Ganz abgesehen von dem, was es für sein Gemüt bedeutet, war dieser Sohn auch finanziell der Trost seines Vaters im Hinblick auf den unfertigen Rudi. Ich bin tief erschüttert u. voll Sorge.
Körperlich bin ich wieder hergestellt, die heißen Fango-Packungen helfen mir immer überraschend schnell.
Aber opponieren muß ich Dir, wenn Du behauptest, unser Zusammensein sei mir nicht bekommen! Da war nur Geheb schuld u. die dummen Schuhe, aber das Zusammensein ist mir wie immer eine Quelle des Lebens, von der es in meinem armen Alltag bereichernd weiter rinnt.
[2]
|
Wegen der Eier muß ich mich schuldig bekennen, obgleich sie 6 Minuten im kochenden Wasser waren, aber die Briefe hatte ich nicht verkrammt, denn ich hatte sie zuvor noch garnicht gesehen. Das muß wohl schon "Ich selbst" gemacht haben.
Gestern hatten wir einen schauerlichen Regentag, sodaß ich wegen Deines Besuches recht betrübt war. Aber vielleicht hat der Regen nicht bis zu Euch gereicht u. heute ist es herrlich klar u. kühl. Ich denke Deiner in Potsdam - unser Potsdam! Auch die Odenwaldschule u. Deine Montessori-Einleitung beschäftigen mich dauernd. Bald denke ich mal einen Brief zu schreiben, heut ist zu viel zu erledigen, was Pflicht ist. - Grüße Felizitas u. sei selbst in Liebe gegrüßt von
Deiner
Käthe.