Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 18. November 1926 (Heidelberg)


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Heidelberg. 18. Nov. 1926.
Mein Einziger.
Nur wenige Worte muß ich Dir sagen, um meine Ergriffenheit auszudrücken. Dieser Schlußaufsatz erscheint mir wie in seherischer Begeisterung geschrieben, von einer Weite des Blickes u. einer Tiefe der Erfassung, das er nicht zu überbieten ist. Alles fügt sich nun zum Ganzen, man fühlt wieder Halt u. Gewißheit u. Glauben u. Zuversicht. Es ist ein herrlicher Gedanken von Quelle u. Meyer diese Aufsätze einzeln herauszugeben. Möchten sie die weiteste Verbreitung finden.
Ich möchte auf tausend Einzelheiten eingehen, die es schildern wie ich von ganzer Seele Dir zustimme u. wie ich fühle, daß hier ein Richtunggeben, ein fester neuer Kurs ist. Noch nie, meine ich, wäre Dir ein so gesammelter u. gesteigerter Ausdruck gelungen. - Aber zu einem Eingehen fehlt im Moment die Zeit u. da ich die Druckbogen so eilig fortschicken mußte, auch die
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| Möglichkeit. Denn es ist einmal wieder für mein kleines Selbst ein solches Überfluten aus der Fülle des Geistes gewesen, daß ich Einzelheiten nicht festhalten kann.
Nur ein paar ganz äußerliche Fragen will ich gleich anfügen, falls Du sie bei der Correctur zu berücksichtigen geneigt bist:
- Seite 2, Zeile 15 ist Zweck - ungesperrt nur mäßigkeit - das ist wohl Absicht?
S. 10. Z. 7. will mir "Gefäße" kein rechtes Bild erscheinen, etwa: "Ausdruck."?
S. 15. Z. 3 wehe hin u. her? Ich kenne nur Goethe-Ausgaben mit Webe.
u. S. x19 letzte Zeile verstehe ich nicht recht; was soll heißen "Ehrfurcht vor der Wahrheit der Worte"? (Citat) etwa Abneigung gegen Schlagworte?
Bald mehr, mein Liebstes. Ich schicke dann auch die Briefschaften alle zurück.
Es ist schrecklich, was Du wieder für Strapazen hattest. Habe Dank für die Karte aus Chemnitz!
Viele innige Grüße von
Deiner Käthe.