Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 9. Dezember 1926 (Heidelberg)


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Heidelberg. 9. Dez. 26.
Mein Liebstes,
wie Du siehst, schreibe ich wieder mit Tinte, denn seit gestern bin ich aufgestanden. Ein wenig Infektion steckt wohl noch immer im Blut, denn Temperatur u. Puls sind noch nicht völlig normal, aber das Befinden ist es u. auch der Appetit. Also ist es besser, sich zusammen zu nehmen. Ich habe sogar heute schon eine Stunde mit Vergnügen gezeichnet. Ausgehen werde ich natürlich erst, wenn das leichte Fiebergefühl ganz vorbei ist.
Wenn es nur mit Dir auch so einfach wäre! Wie sehr muß Dich dieser Zustand mitnehmen! Denn Dein Befinden ist ein Zustand, während meines nur ein Anfall war, u. das ist viel langwieriger zu überwinden. Und Du gehst damit auch noch in Gesellschaft - wie leichtsinnig! Ich mache mir rechte Sorge u. wünschte dringend, Du hättest die anstrengenden 2 Wochen bis Weihnachten erst hinter Dir. Du
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| wirst doch nicht vorher etwa noch krank werden wollen? Nimm Dich doch ja so viel wie möglich in acht u. laß auch alles was irgend an Anstrengung abzuschieben geht, um Deine Kräfte zu schonen. Selbstverständlich erwarte ich keinen Brief mehr, so glücklich u. dankbar ich heut über Deine lieben Zeilen war, aber ein paar Karten, nur kurzen Bericht, das mußt Du an mich wenden, denn Du kannst Dir doch denken, wie ich in beständiger Unruhe bin, wenn ich Dich unwohl weiß. Und sollte es erwünscht sein, daß ich Dir dort helfen könnte, was ich ganz gewiß nicht hoffe, was aber doch eintreten könnte, so will ich Dir nur sagen, daß bei Frl. Säuberlich im Badezimmer ein Unterkommen ist, wo Heinrich Eggert kampiert, wenn er nach Berlin kommt, u. wo ich jederzeit eine Schlafstelle fände. -
Die mitgesandten Briefe bewegen mich tief. Ich fühle mit Andacht, wie durch ganz Deutschland Leben von Deinem Leben flutet.
Deine Käthe.

[li. Rand S. 1] Aenne Knaps ist sehr erkältet. Sie macht die Sache scheints schleichend u. ohne Fieber ab. Nichts desto weniger will sie nächste Woche nach Stuttgart!