Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 25. Januar 1927 (Berlin/Wilmersdorf)


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<Stempel: Professor Spranger
Berlin-Wilmersdorf
Hohenzollerndamm 39>

25.I.27.
Mein innig Geliebtes!
Ehe ich nach Neubabelsberg fahre, nur wenige Zeilen, nicht als Antwort, sondern als Bericht. Ich danke sehr für Deinen lieben Brief. Beantworten werde ich ihn wohl im Februar bei m. Durchreise. Nach dem Heft Volkstum werde ich forschen. Bewußt ist mir davon nichts.
Befinden: Knie fast verschwunden, Darm in seinem untersten Teil noch manchmal rebellisch, nehme das bei Dir entdeckte Medikament. Nerven recht abgespannt u. gereizt. Es war ja noch nie so wie jetzt.
Ereignisse: Besuch von Frau Riehl bei mir. Serings 70. Geburtstag, bei dem ich (namens Deutscher Akademie) einer der Redner. So was kostet einen Abend bis in die Nacht. Vortrag von russ. Professor Stepun (jetzt Dresden) über russ. Bühnenkunst. Du siehst unsre Parallelerlebnisse. Dann mit ihm, Frank (Philos. ehemals Petersburg) u. unsrem Slawisten bei Lutter u. Wegner. So was zählt natürlich alles als Dienst. Besuch v. Pichler aus Greifswald. Eine Arbeit nach der anderen gelesen. Viel Pestalozzi meditiert. Vorlesung steigt auf ihren Gipfel. Es
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| ist aber fast physisch zu spüren, wenn man so 500 angeseilt hat. Seminar gut und belebt.
Pestalozzis Bild beginnt sich in mir herauszuarbeiten. Auch ich lese Schäfer (jede Nacht 20 S.) noch einmal. Aber mein Bild weicht jetzt etwas ab, obwohl es auch künstlerisch werden soll. Am Donnerstag rede ich im Zentralinstitut über Pestalozzis Prinzip der Anschauung; schwänze dafür die Friedrichssitzung der Akademie.
Schicke mir doch den Stresemannausschnitt, den ich leider übersehen habe.
5.II. Maiers 60. Geburtstag, 8.II. Dessoirs 60. Geburtstag. 2.II. Veranstaltung der Deutschen Akademie. (Vortrag v. Dibelius.) Ich versuche trotz allem jetzt wieder regelmäßiger auszuschlafen, und will, wenn dies erreicht ist, auch mal wieder spazieren gehen. Im ganzen habe ich sehr abgenommen. Angreifend sind auch die Behandlungsversuche von Frau Riehl (mit Spezialisten etc.)
Leider muß ich abbrechen. Sei recht gesund und fröhlichen Herzens. Vielleicht besorgst Du was zum 2.II. u. entschuldigst mich, wenn ich das Schreiben vergessen sollte. In innigem Gedenken
Dein Eduard.
[schräg daneben] <wegen verschmierter Tinte:> pardon!

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<beigefügter Zettel>
Ich weiß weder etwas von der Meinecke-Rede, noch von Oldenburg-Januschau, noch habe ich die Luciere im Original gelesen.
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