Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 4. April 1927 (Zwischenahn)


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Zwischenahn, den 4. April 1927.
Mein innig Geliebtes!
Heut Nachmittag ist Dein lieber Brief gekommen. Ich kann Dir heut in dieser späten Stunde nur das Wichtigste mitteilen. Leider war es bisher ganz unmöglich, mit Kerschensteiners eine Verbindung zu bekommen. Ich habe nur von ihm eine Karte, daß sie bis zum 10.IV. in Locarno bleiben wollten. Meine Anfrage, ob Sie etwa 3 Tage zugeben könnten, ist noch unbeantwortet. Spätester Abreisetermin ist für mich der 9.IV. früh. (Am 8.IV kommt noch Litt durch Berlin, mit dem ich über s. Berufung nach Frankfurt reden möchte.) Bleibt nun Locarno das Ziel, so halte ich es für praktisch, daß wir uns am 9.IV. abends in Karlsruhe treffen (Hotel schräg links gegenüber dem Bahnhofsausgang.) Mein Zug kommt um 8 dort an. Da aber Susanne am gleichen Tage nach dem Bodensee fährt, so wird es kaum anders gehen, als daß wir den gleichen Zug benutzen.
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| Sie will dann auch bis Karlsruhe. Dort würden wir also zu dreien sein, bis Sonntag früh. Dann Weiterfahrt nach verschiedenem Ziel. Der ganze Plan ändert sich, wenn Kerschensteiners nicht mehr in Locarno sind. Dann wählen wir ein andres Ziel, fahren aber auch beide am 9.IV. ab u. treffen uns ev. in München. Darüber Näheres, sobald ich es weiß.
Ich habe eine kurze aber kräftige Grippe gehabt, die mich 1 ½ Tage ans Bett u. 4 Tage ans Haus gefesselt hat. Leider kann ich solchen Zeitverlust niemals brauchen. Hier ist es ganz nett, aber weder geistig noch landschaftlich erschütternd. Morgen Abend 9 fahre ich nach Bremen u. bin am Mittwoch 1 Uhr mittags in Berlin, wo ich um 5 Dienst habe.
Eigentlich war ich wütend auf Dich wegen Deiner klassischen Bummelei in der ganzen Einsegnungsangelegenheit. Ratschläge hinterdrein nützen mir garnichts. Aber ich bin daran schon gewöhnt, daß nur ich die Leute prompt bediene. Es ist fast 12 (nach einem Tag von 16 Stunden) daher Schluß mit herzlichem Gruß Dein Eduard.
[li. Rand] Ich wünsche mir für die Reise ein Paar Stiefelhüllen für den Koffer, ausreichend groß, aber nicht schwer.
[li. Rand S. 1] Dein Zug nach Karlsruhe geht abends 6.23, an K. 7.58. Ich komme v. Mannheim 7.56. Treffpunkt am sichersten im neuen Hôtel (links v. Bhf.)