Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 26. Juni 1927 (Berlin, Postkarte)


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26.6.27.
M. L!  Es tut mir so leid, daß ich Dir auch heut noch nicht ordentlich schreiben kann. Aber es fließt einmal wieder wirklich über den Rand. Schon Weimar war eine sehr große Anstrengung. Hirschluch kam dann sehr zeitraubend dazwischen. Die Natur dort ist schön. Aber Du hast kaum eine Vorstellung, wie schlecht hier Tag für Tag das Wetter ist. Man kann kaum je auch nur bei offenen Fenstern sitzen. Ich habe ungeheuer viel Korrekturen zu erledigen. Am Sonntag (bis Mittwoch früh) geht es nun nach Eisenach, Hotel Fürstenhof. Die Rede ist noch kaum angefangen. An Deinen Erlebnissen habe ich innig Anteil genommen u. denke besonders mit tiefer Betrübnis an den armen Onkel. Es wäre unendlich viel mitzuteilen. Nur wann? Meine Tage sind so lang, wie sie jetzt physisch sein müßten. Heut Nachmittag Neubabelsberg. Morgen 4–7 habe ich Staatsexamen. Bei allem Fleiß bleibt immer ungeheuer viel liegen. Der Geburtstag ist
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| da – sehr unerwünscht. Gesundheitlich ist wieder Ordnung. Nur könnte der Kopf manchmal explodieren. Bei Pest. komme ich immer mehr in die Tiefe. Fröbel beschäftigt mich daneben. Ich habe gestern in s. ungedruckten Briefen geblättert, z. T. herrlich!! Wenn man nur selbst auch einmal Mensch sein könnte. Die "Heilpädagogik" ist gedruckt. In 8 Tagen muß ein ganzer Stoß herauskommen. Wann ich Dir näher schreiben kann, weiß ich nicht. Aber daß ich immer an Dich denke, weißt Du. Herzliche Grüße auch dem Vorstand, Günther, Jacobsen. Vor allem Dir viel <re. Rand> Liebes Dein Eduard.