Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 18. Juli 1927 (Berlin/Wilmersdorf)


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<Stempel:
Professor Spranger
Berlin-Wilmersdorf
Hohenzollerndam 39>
Montag 18.7. früh.
Mein innig Geliebtes!
Antworten kann ich heut nicht. Nur danken möchte ich für Brief und Kissen. Das Kissen ist in Gebrauch, und obwohl es draußen etwas weich scheint, ist es im Bett sehr angenehm und gerade recht. Vielen herzlichen Dank für all die große Mühe, die Du damit gehabt hast.
Ich gehe besonders schweren Arbeitstagen entgegen u. will daher wenigstens die lange liegen gebliebenen Briefe zurücksenden, nebst einigen beigefügten neuen an mich. Die Korrekturen hätte ich auch gern in etwa 10 Tagen zurück. Anfang August muß ich wohl noch zu einer Konferenz nach Hildesheim. Am 17.VIII. muß ich in Kronstadt sein, das bedeutet Abreise ungefähr am 12.VIII, wenn's so bleibt, nicht über Wien. - Zu den beiliegenden Briefen: Wenn Rudi viel Geld ausgegeben u. s. Physikum nicht gemacht hat, so ist das doch nicht "moral insanity" oder "schwere Krankheit."
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Gib mir einen Rat, wie ich die endlosen Briefe der Geisteskranken, übrigens auch frechen Person zum Aufhören bringen kann.
Das schöne Bild von dem Haus auf der Reichenau stimmt mich wehmütig. Ich habe so garkeine Atempause zum Nachdenken oder zur Sammlung; da wirkt die Reichenau wie eine jenseitige Welt. Durchzukommen durch die Arbeit ist aber doch nicht, trotz aller Anstrengung.
Sonnabend war Geheimrat Richard Schmidt aus Leipzig bei mir, was ich hübsch von ihm fand. Abends bei Marcks eingeladen (Tischnachbarin Tochter v. Treitschke, geb. Heidelberg.)
Das Schulgesetz ist heraus; ich habe es in der Tasche, aber noch nicht lesen können.
Mit unsern Herbsttagen in Heidelberg sieht es böse aus. Wir müssen etwas anderes erfinden. Sorge aber mal für Deine Gesundheit und nimm endlich die Bäder.
Für heut lebe wohl! Viel innige Grüße Dein
Eduard.